200
Dreiundfünfzigstes Kapitel.
eingerichtet worden; dieser hat vielmehr nnr deren Ausbreitungund Ausdehnung befördert. Die unterste Kaste, die zahlreichste,befindet sich nicht im Zustande der Sklaverei, deren Kennzeichendie persönliche Unterwerfung ist, aber in dem Zustande einer ge-meinschaftlichen Unterwerfung, welche ein noch mehr herab-würdigender und für deren künftige Befreiung weniger günstigerZustand ist.
Ein solches anfängliches Regiment findet sich überall, selbstin vorgeschrittenen Gemeinschaften; es herrscht noch jetzt in demgrössten Theil Asiens und scheint eine Eigenthiimlichkeit der gelbenRasse zu sein. Die weisse Rasse ist davon nicht ausgenommengewesen, aber sie hat sich schneller davon befreit, entweder inFolge ihrer überlegenen Natur oder der günstigeren Umstände.Dieses Regiment, welches von der kriegerischen Thätigkeit geändertwerden sollte, ist nur unter dem Einfluss von Bedingungen eineigenthümliches geworden, welche den kriegerischen Geist hemmtenund den priesterlichen begünstigten. Die örtlichen Ursachen lagenin der Verbindung eines glücklichen Klimas mit einem fruchtbarenBoden, welche die geistige Entwickelung durch leichte Gewinnungdes Unterhaltes beförderten. Ausserdem musste die Bevölkerungein Land bewohnen, wo leichte innere Verbindungen bestanden, unddas Land so gelegen sein, dass es gegen äussere Einfälle gesichertwar. Dem entspricht am besten das Thal eines grossen Flusses,das auf der einen Seite vom Meere und von der andern durcheine ungeheure Wüste oder unzugängliche Gebirge geschützt war-So hatte sich das theokratische System der Kasten in Egypten, 111Chaldäa, in Persien voll entwickelt und so hat es sich in demTheile des Orients, weicher der Berührung mit der weissen Rasseam wenigsten ausgesetzt war, wie in China, Japan, Tibet undHindostan bis in unsere Zeit erhalten. In Folge ähnlicher Em'flüsse findet man die Kastenherrschaft auch in Mexico und Pe rl1zur Zeit der Eroberung. Spuren dieser Organisation finden sichauch bei allen indischen Civilisationen, wie bei den Celten uflEtruskern im westlichen Europa . Man erkennt auch deren Einfluss bei den Nationen, deren Entwickelung durch glückliche C°lonisirungen beschleunigt worden ist; kurz, diese Regierungswei sebildet überall die Unterlage für die alte Civilisation.