Vierundfünfzigstes Kapitel. 219
der Katholizismus überwunden, indem er trotz aller Hindernissedie geistliche Gewalt von der weltlichen trennte, welche Trennunghauptsächlich die Ueberlegenheit der modernen Politik über diedes Alterthums herbeigeführt hat. Allerdings war diese Trennung^nächst nur eine empirische, ihre philosophische Auffassung konnteerst aus der Prüfung der vollbrachten Thatsachen hervorgehen;ellein dies ist mit allen politischen Lösungen der Fall.
Die theologische Natur der damaligen Philosophie, welchedieser Einrichtung als Prinzip dienen konnte, hat indess derenCharakter verändert und deren Wirksamkeit vermindert, indem siedie Philosophie in das rein vergängliche Geschick dieser Ein-richtung verwickelte. Auch verbargen die religiösen Zuthaten ders pekulirenden Klasse ihre geistigen und moralischen Pflichten.Kie soziale Leitung des Geistes und des Gemüths konnte dieserKlasse nur ein nebensächliches Interesse im Vergleich mit demKeil der Seelen einflössen; das chimärische Ziel schadete ihrerfahren Aufgabe. Das unbeschränkte Ansehen, mit dem der Glaubedie Ausleger des göttlichen Willens ausstattete, konnte bei dergeistlichen Macht nur die Ueberhebungen und selbst die An-passungen verstärken, zu welchen deren natürlicher Ehrgeiz schonZu sehr geneigt war. Trotzdem haben alle diese Hemmnisse nurPt zum Verfall einer solchen Verfassung beigetragen; sie habend* e Hauptthätigkeit zwar gestört, aber nicht unterliegen lassen.
Der Katholizismus hat eine von der politischen Macht unab-hängige moralische Macht begründet und die Moral in die PolitikPgeführt. Die Stellung der katholischen Macht stand den ver-ehrten Anforderungen der griechischen Philosophie ebenso fern,der erniedrigenden Unterthänigkeit des theokratischen Geistes,Pem sie von ihrer geheiligten Autorität aus die UnterwerfungPer alle bestehenden Regierungen vorschrieb, während sie nicht"'eiliger laut diese Regierungen den Regeln der Moral unterwarf.
Die so häufigen Streitigkeiten zwischen diesen beiden Gewaltena tten von Seiten der geistlichen Gewalt meist nur den Charakterer Vertheidigung; selbst wo sie zu ihren gefährlichsten Waffenkämpfte sie in edler Weise für die Erhaltung der für ihreStimmung nöthigen Unabhängigkeit. Das tragische Schicksales Erzbischofs von Canterbury , und eine Menge ebenso bezeich-