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Zweiter Band.
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Vierundfiinfzigstes Kapitel.

die unerschöpflichen Streitigkeiten, die durch die unbestimmtenLehrsätze hervorgerufen wurden, die Gesellschaft ohne Ende be-unruhigt hätten. Diese Eigenthümliclikeit des Katholizismus zeigt?dass der religiöse Geist schon eine geistige Abnahme erlittenhatte, denn im individuellen und im vereinten Leben steigt dasGebiet der menschlichen Weisheit auf Kosten des Gebiets dergöttlichen Inspiration.

Ich kann hier nicht ausführlich die einzelnen Institutionenschildern, welche zur Entwickelung und Erhaltung des grossenOrganismus gedient haben. Dahin gehört die Erhaltung des La-teinischen in der Körperschaft der Geistlichen, als diese Spracheaus dem gewöhnlichen Gebrauch verschwand; sie war ein nutz'licher Gehiilfe der katholischen Macht im Inneren und Aeussereü?da sie den Verkehr und die engere Verbindung der Geistlichenerleichterte. Ich muss indess zweier Bedingungen erwähnen, eine 1moralischen und einer politischen, welche für die Entwickelung desKatholizismus nothwendig waren. Beide waren mehr für dieseZeit und dieses System erforderlich, als durch die Natur der ge*'stigen Organisation geboten.

Die erste besteht in dem Cölibat der Geistlichen. Seine Ent'Wickelung wurde lange Zeit gehindert, aber endlich durch Pap^Hildebrand so durchgeführt, dass es später mit Recht als ein®der wesentlichen Grundlagen der priesterlichen Disziplin galt-Ohne das Cölibat hätte die katholische Hierarchie weder die sozial 6Unabhängigkeit, noch die Freiheit des Geistes gewinnen können?welcher deren Mission bedurfte. Das Streben nach Erblichkeit alle 1,Aemter hätte unzweifelhaft die Geistlichkeit erfüllt, wenn das Cölihatsie nicht davor geschützt hätte. Es hätte dies zur Aufhebung od etTheilung der Gewalten geführt, indem dann trotz des päpstliche 11Widerstrebens die Bischöfe sich in Barone und die Priester sich 1,1Ritter umgewandelt hätten. Man hat die kühne Neuerung nicht g rniigend geschätzt, welche der Katholizismus in dem sozialen Orgam 6 'mus durch die Unterdrückung der Vererbung bei der Geistlichkeitausführte. Diese Vererbung bestand im ganzen Alterthum, nicht bl° sunter dem theokratischen Regiment, sondern auch bei den Grieche 11und Römern, wo die verschiedenen pontifikalen Aemter von einige 1Wichtigkeit privilegirten Familien, oder wenigstens einer gewisse * 1