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Zweiter Band.
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Vierundfünfzigstes Kapitel.

geistlichen Einrichtung, als die seit drei Jahrhunderten so eifrigverbreitete Ablehnung einer so wesentlichen Existenzbedingungund das Verkommen einer Sitte, welche so richtig dem Bediirf-niss der menschlichen Natur angepasst ist. Die moralischen Wir-kungen dieser Einrichtung, um durch das Geständniss zu reinigenund durch die Reue zu bessern, waren von den katholischen Philo-sophen so wohl erwogen, dass ich auf deren Erhaltung bestehenmöchte. Diese Einrichtung ist zweckmässig an Stelle der grobenund unzureichenden Disziplin getreten, durch welche unter dempolytheistischen Regiment die Obrigkeit sich vergeblich anstrengte,die Sitten durch willkürliche Verordnungen in Ordnung zuerhalten. Ich behandle hier die Beichte nur als eine Bedingungdes politischen Bestandes für das geistliche Regiment. Die bei ihreingetretenen Missbrauche sind nur die Folgen der unbestimmten. und herrischen Natur der theologischen Philosophie.

Ich habe nun nur noch die wichtigsten dogmatischen Bedin-gungen des Katholizismus zu erwähnen. Man hat sie in sozialerHinsicht für gleichgültig angesehen, allein sie waren unerläss-lich und der Untergang einer einzigen hatte die allgemeine Auf-lösung zur Folge.

Die unbestimmte und veränderliche Richtung der theologischenAuffassungen gestattete selbst bei dem Monotheismus, dass diepraktischen Vorschriften, deren Grundlage sie bilden sollten, durchdie menschlichen Leidenschaften ihre Festigkeit verloren. Diesedringende Gefahr wurde durch die thätige Ueberwachung der geist-lichen Gewalt beschworen. Der Katholizismus hat behufs Aut-rechthaltung der für seine soziale Bestimmung nöthigen Einheitdie individuellen Ausbrüche des religiösen Geistes zurückgehalten,indem er den unbedingtesten Glauben zur ersten christlichenPflicht erhob. Ohne eine solche Grundlage würden die übrigenmorahschen Pflichten ihren Stützpunkt verloren haben. Nach denbanalen Beschuldigungen sollte diese Nothwendigkeit vielmehr derGründung der geistlichen Herrschaft als der Religion dienen,allein die positive Philosophie muss laut anerkennen, dass dieseUnterstellung der Gesellschaft vortheilhaft war, weil der Haupt'nutzen der Religion darin bestanden hat, dass sie die Erhebungeiner spekulativen Körperschaft gestattete, welche während ihrer