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Zweiter Band.
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Vierundfünfzigstes Kapitel.

haben ihr immer einen Charakter der Zufälligkeit gegeben, indemman den germanischen Einlallen einen zu grossen Einfluss bei-legte. Diese falsche Auffassung bedarf der Berichtigung, denn siefuhrt in eine seiner wichtigsten Perioden zu einer Unterbrechungder Stetigkeit der sozialen Reihenfolge. Diese Berichtigung ergiebtsich ans meiner Lehre über die soziale Entwickelung, mittels derman beinahe a priori die wichtigsten Eigenschaften eines solchenRegiments ableiten könnte, welches aus dem System der Römer,modifizirt durch den katholischen Einfluss, hervorging. Auch ohnediese Einbrüche würde der blosse Einfluss dessen, was vorher ge-schehen, im Abendlande um diese Zeit ein politisches System ge-staltet haben, das dem Lehnssystem entsprach.

Diese historische Thatsache würde ihren zufälligen Charakterverlieren, wenn man sich darauf beschränkte zu zeigen, dass diesehintereinander erfolgenden Einfälle eine Folge der römischenHerrschaft waren. Diese Erwägung genügt zwar nicht für meinenZweck, indess muss sie erwähnt werden, da sie nebenbei eine Auf-klärung ergiebt. Das römische Reich musste von der einen Seitedurch die grossen orientalischen Theokratien begrenzt sein, welchezu entfernt und hauptsächlich zu wenig empfänglich für eine wahreInkorporation waren, und von der anderen Seite, namentlich vomAbend her, durch Jäger und Hirtenvölker, die noch keine wahrenfesten Wohnsitze hatten und deshalb nicht erobert werden konnten-Während der Zeit des Trajan und der Antonine hatte diesesSystem seine ganze Ausdehnung erreicht, so weit es dieselbe er-tragen konnte, und musste bald von einer unvermeidlichen Reaktiongefolgt werden. Es ist in der That klar, dass der ackerbauendeZustand und feste Wohnsitze für die Besiegten wie für die Siegernöthig sind, wenn ein System der Eroberung seine Wirkung er-reichen soll; die nomadischen Bevölkerungen entgehen wenigstenseinem solchen vollständigen Zerfall, da sie nach ihren Niederlagenimmer bereit sind, anderwärts einen sicheren Zufluchtsort zu ge'winnen, von wo sie dann zu ihrem Ausgangspunkte mit um sogrösserer Gewalt zurückkehren, je mehr sie vorher hinweggetriebeuworden sind.

Die Einfälle waren zwar weniger systematisch, aber dochebenso zufällig wie die Eroberungen, durch welche sie herausg 6 '