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Vierundfünfzigstes Kapitel.
der Gewohnheit auch den Wechsel erreicht, so hastig er auch seinmag, sobald er genügend oft eintritt. Diese Erwägung ist trotzihrer scheinbaren Paradoxie von der grössten Tragweite. DieselbeEnergie, welche zu grossen Verbrechen treibt, vermag auch solchenDrohungen zu widerstehen. Seihst bei gewöhnlichen Menschenwürde die Hoffnung auf eine schliessliche Sündenvergebung in denmeisten Fällen leicht genügen, um sie zur Verletzung religiöserVorschriften zu ermuthigen; während sie doch ohne die Hülfe vielgrösserer Anstrengungen die allgemeinen Vorurtheile in Fällen starkerKonflikte mit den Leidenschaften nicht hätten überwinden können.
Die durch den Katholizismus bewirkte, oder wenigstens ein-geleitete moralische Wiedergeburt bestand vorzüglich darin, dieMoral zu der Stellung zu erheben, die vorher die Politik einnahm; erHess die allgemeinsten und festesten Gefühle über die einzelnen undwechselnden Bedürfnisse triumphiren. Allerdings hat die theolo-gische Philosophie, welcher man diesen Fortschritt verdankt, inmancherlei Hinsicht dessen Wirksamkeit geschädigt, und es istdaraus sogar eine zu willkürliche Herrschaft für die leitende Körper-schaft hervorgegangen, ja schliesslich ist die Lehre selbst durchden Widerspruch verwirrt worden, welcher die Pflege der sozialenGefühle verlangte und dabei einen übertriebenen, wenn auch idealenEgoismus entwickelte. Die geringste gute That wurde nur inHinsicht auf unendlichen Lohn aufgefasst. Die Sorge für dasWohl der eigenen Person neutralisirte die Mitgefühle in der gemein-samen Liebe zu Gott ; allein diese unvermeidlichen Uebelständehaben doch eine Wiedergeburt nicht gehindert, welche in andererWeise nicht beginnen konnte.
Eine richtige Werthschätzung der menschlichen Bedürfnissehat endlich die Moral an die Spitze der sozialen Nothwendigkeitengestellt. In der Weise wie der christliche Geist den Vorrang derMoral auffasste, lag eine gewisse Feindseligkeit gegen die geistigeEntwickelung, indess hat der Katholizismus diese Richtung dadurchgemässigt, dass er das Prinzip der Fähigkeiten zur Grundlageseiner geistlichen Verfassung nahm. -Diese Anordnung, deren Gefahrerst in der Zeit des Verfalls des Systems sich offenbarte, hindertenicht die Richtigkeit jener weisen Entscheidung, die den Werthdes Wissens unter die Moral stellte. Die tiefe Weisheit des Käthe-