Yienmdinni'zigsteR Kapitel.
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Üzisinus hat durch die Stellung der Moral über jede Existenz, umdadurch deren Thaten zu leiten und zu beaufsichtigen, das wich-tigste Prinzip des sozialen Lebens aufgestellt.
Man darf bei der Beurtheilung der Moral des Katholizismusnicht vergessen, dass in Folge der Unabhängigkeit, welche durchdie Theilung der Gewalten zwischen der Moral und der Politikeingeführt war, die Lehre der erstem damals aus Regeln bestand,welche nicht die wirkliche Praxis bestimmen, sondern nur das mehroder weniger ideale Ziel andeuten sollten, denen das Betragen sichmehr und mehr annähern sollte. Die Natur und die Bestimmungdieser Regeln ähneln denen der wissenschaftlichen oder ästhetischenRegeln, die den Auffassungen der Gelehrten und Künstler als Führerdienen und deren Bedürfniss selbst bei den industriellen Thätig-keiten sich bemerken lässt. Man hat den Geist der katholischenMoral verkannt und hat sie der Uebertreibung ihrer Vorschriftenbeschuldigt. Es wäre ebenso wenig verständig, wenn man die MalerWegen der chimärischen Vollkommenheit ihrer Muster tadeln wollte.Alle solche Mustergestalten müssen über die entsprechenden realenhormen hinausgehen, da sie die idealen Grenzen bilden, hinter denendas Reale nur zu sehr zurückbleibt, und zwar noch mehr in demmoralischen als in dem wissenschaftlichen Gebiet. Der Katholizis-mus hat aus einem philosopliischen Instinkt seine moralischen Vor-bilder, der praktischen Wirksamkeit wegen, aus dem Abstraktenm das Konkrete übergeführt. Deshall) haben auch die ersten Philo-sophen, welche den Katholizismus begründet, allmählich auf denRründer des Systems alle Vollkommenheiten der menschlichenRatur gehäuft.
Alle Zweige der Moral haben durch den Katholizismus Ver-besserungen erhalten. Ich verweise die, welche sie prüfen wollen,v ornehmlich auf Bossuet und de Maistre, die sie im Allgemeinenr mhtig beurtheilt haben. Ich beschränke mich hier auf die An-gabe der wichtigsten moralischen Fortschritte.
Der Katholizismus hat in Rechtfertigung der einstimmigenMeinung der früheren Philosophen die Tugenden des Einzelnen’ds die Grundlage für alle anderen erachtet. Sie bieten allerdings'Re natürlichste Verwirklichung des energischen Einflusses der^orininft auf die Leidenschaften, wovon jede moralische Vervoll-
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