Fünfundfünfzigstes Kapitel.
Bonifacius VIII . die Epoche, wo die katholische Macht nachVollendung ihrer sozialen Aufgabe in Begründung der Moral,dieses ihr Ziel überschreitet, indem sie sich bemüht eine unbedingteHerrschaft zu erreichen. Diese Macht offenbarte schon ihre Un-fähigkeit für die Leitung der geistigen Bewegung. Der bevor-stehende Zerfall des Katholizismus zeigte sich schon in dem Nach-lassen des priesterlichen Geistes und in der zunehmenden Stärkeketzerischer Richtungen.
Dieser Anfang der Zersetzung wurde sofort durch die Er-richtung des Ordens der Franziskaner und Dominikaner wirksambekämpft, die man das als mächtigste Mittel für die Reform undErhaltung des bisherigen Systems ansehen muss. Aber dieserschützende Einfluss war bald erschöpft und liess den Verfall einesRegiments als unvermeidlich erscheinen, bei dfem eine solche Aus-besserung vergeblich gebheben war. Gleichzeitig waren die hef-tigen Mittel, welche über ganze Gegenden für die Ausrottung derHetzereien angewendet wurden, das am wenigsten missverständlicheZeichen eines schliesslichen Untergangs. Jede geistliche Herrschaftruht auf der freiwilligen Zustimmung der Verständigen, und dieZuhülfenahme materieller Gewalt wird zum Anzeichen des bevor-stehenden Verfalls. Aus diesen Gründen kann man leicht ent-nehmen, dass die Erschütterung des katholischen Systems schonUn vierzehnten Jahrhundert begonnen hat.
Ebenso wurde in der weltlichen Staatsordnung um diese ZeitNiedergang der Lehnsverfassung ein unwiderruflicher, da sie'bre kriegerische Aufgabe erfüllt hatte. Zwei Reihen von Ver-teidigungskriegen hatten die moderne Civilisation geschützt, dieer ste gegen die Einfälle der wilden Polytheisten des Nordens,( lann die andere gegen die monotheistischen Muselmänner. Dieer ete Reihe bot lange Zeit mächtige Hindernisse, gegen welcheder grösste Mann des Mittelalters seine Kräfte aufwandte. Der<1v eite Kampf musste viel schwieriger werden und länger dauern;( Rnn der Katholizismus bot ein Mittel, die kriegerischen Erfolgedadurch zu befestigen, dass die polytheistischen Nationen mög-'cherweise bekehrt werden konnten, während zwischen den beidenArten des Monotheismus jede Aussöhnung unmöglich war, da beider'ach der Weltherrschaft strebten.
Comte-Rtg, positive Philosophie. II. 17