306
Pünlündfunfzigstes Kapitel.
Lage hätte zeigen müssen, dass sie die Erhebung einer neuengeistlichen Gewalt vorbereite.
Unter den drei Hauptirrthümern, die aus dieser gemeinschaft-lichen Quelle sich ableiten, findet man zuerst eine Ungenauigkeit inden Beurtheilungen des Mittelalters, welche soweit zunahm, dass sieselbst den Untergang des Polytheismus bedauern liess. Rousseau triebden Rückschritt bis zu dem äussersten Wahnsinn in jener wildenUtopie, die eine verthierende Vereinzelung als Muster für densozialen Zustand aufstellt. Die Schule Voltaires hingegen hatteeine instinktartige Anhänglichkeit an die verschiedenen Elementeder modernen Civilisation und milderte so bis zu einem gewissenGrade die Gefahren ihrer inkonsequenten Auffassung von demmenschlichen Fortschritt.
An zweiter Stelle entwickelt sich der philosophische Ehrgeiz mder Richtung nach jener metaphysischen Theokratie, von welche 1 "die griechischen Schulen geträumt hatten. Diese Neigung wurdeschon bei dem Protestantismus bemerkbar; sie bildete die Unter*läge für die politischen Illusionen gewisser Uluminaten-Klasse 11über ein vermeintliches Reich der Heiligen, indess wurde sie durchdie Heiligsprechung der weltlichen Oberherrschaft gemässigt,den offiziellen Protestantismus kennzeichnete. Die Achtung d erAnhänger Voltaires für die monarchische Diktatur hat einen glei^ 1starken Einfluss in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts geü^'Allein die Schule Rousseau’s hatte geradeswegs ihr Ziel inAuflösung der weltlichen Gewalt gesetzt, und sollte so die d efverneinenden Philosophie eigenen Irrthümer bis zu derentreiben. Indem sie jede Theilung zwischen der politischen 11,1moralischen Gewalt verbot, setzte sie dem philosophischen Ehrg elZIkeine Schranke. Sie wurde so weit getrieben, dass sie eine th e °kratische Verfassung verlangte, weil die Rückkehr zu einem 11,1bestimmten Vorwiegen des theologischen Geistes die Grundigihrer Lehre bildete. Diese Schule nahm eine um so verderblichRichtung, als sie in ihrem neuen Reich der Heiligen die politm cUeberlegenheit nicht den Fähigkeiten zutheilte, wie das theokratm c ^Prinzip es verlangt, sondern dem, was man unbestimmt die Tug e ’^nannte, wodurch zu der gefährlichsten Heuchelei ermuthigt wu*Durch die letzten Folgen des ursprünglichen Irrthums he sS