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Zweiter Band.
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Sedisundfünfrigstes Kapitel.

Das Regiment des Mittelalters strebte die Bevölkerung gleich-massig im Lande und selbst in die ungünstigsten Gegenden zuvertheilen und zwar mittels eines inneren Einflusses, ähnlich derWirksamkeit, welche es nach Aussen dadurch übte, dass es alle Ein-fälle verbot, um damit die sesshafte Bevölkerung auch innerhalbder unfruchtbarsten Gegenden von Europa festzuhalten. Die grossenöffentlichen Arbeiten, um an so vielen Orten einen Aufenthalt,dessen Schwierigkeiten nicht mehr durch Auswanderung vermiedenwerden konnten, zu verbessern, reichen bis auf diese Epoche zurück,in der der wunderbare Bestand von Venedig und namentlich vonHolland ermöglicht wurde. Es war dies den so hartnäckigen An-strengungen zu verdanken, gegen welche selbst die stolzestenWerke des Alterthums zurücktreten.

Der Einfluss des katholischen und feudalen Regiments hat überallzu dieser ersten Stufe der Emanzipation des Volkes geführt, welchedie Abschaffung aller persönlichen Sklaverei vorbereiten musste.Man hat beinahe immer diese persönliche Befreiung mit der Bildungindustrieller Gemeinden vermengt, auf welche die Aufmerksamkeitsich allein gerichtet hat. Die Zwischenform, die der Hörigkeitfolgte, ist der dunkelste Theil in der Geschichte des Mittelalters.Damals bildete sich im europäischen Abendlande eine zweite Um-gestaltung, die durch die Gesammtheit ihrer Folgen den entschei-densten Unterschied zwischen moderner und antiker Gesellschaftbezeichnet.

Die Periode dieser zweiten Umgestaltung beginnt mit dem8. Jahrhundert und geht bis zu dem 11., und befasst eine letzteunerlässliche Vorbereitung für das industrielle Leben, dessen Ent-wickelung die Aufhebung der Knechtschaft des Volkes nachfolgte.

Die Sklaverei der Arbeiter hatte eine zwiefache Aufgabe er-füllt; einestheils hatte sie der militärischen Thätigkeit gestattet,ihre Bestimmung in der sozialen Entwickelung zu erfüllen, andern-theils hatte sie das alleinige erziehende Mittel abgegeben, um denursprünglichen Widerwillen des Menschen gegen alle regelmässigeArbeit zu überwinden. Nun passte die Sklaverei am besten fürden ersten Zweck, aber für den zweiten war sie nicht das wirk-samste Mittel. Diese beiden, für die menschliche Entwickelungunerlässlichen Ziele, konnten nur eines nach dem andern verwirk-