Band 
Zweiter Band.
Seite
319
JPEG-Download
 

Sscheundi'ünf'sdgstes Kapitel.

319

licht werden. Das erste war unter dem Regiment der Römerwürdig vollbracht worden; allein die alte Sklaverei war zu ent-lernt von der wahren industriellen Thätigkeit, um ohne einen be-sonderen Uebergang zu letzterer führen zu können. Die privatenFreilasssungen, welche sich seit dem Verfall der senatorischenAristokratie so vermehrt hatten, konnten eine entscheidende Be-freiung inmitten eines steten Zuflusses neuer Sklaven nicht herbei-führen. Das mittelalterliche militärische System führte zum Ueber-gewicht einer neuen persönlichen Unterthänigkeit, die der Zer-streuung der Anführer unter die unterworfene Bevölkerung entsprach,und damit zu dem Anfang einer Organisation der Niederen fürAas industrielle Leben. Es bot jedem Hörigen einen bestimmtenAusgangspunkt, von wo er mit Einhaltung eines gleichförmigenRanges, der zwar langsam aber gesetzlich war, immer hoffen konnte,seine persönliche Unabhängigkeit zu erlangen. Auch die Bedin-gungen, unter welchen er sich loskaufen konnte, waren meistsehr mässig und gaben die Bürgschaft für die Wirksamkeit einesähnlichen Fortschritts. Sie zeigten, dass der Freigewordene sichan Mässigung und Voraussicht gewöhnt hatte, wodurch er alleindie Leitung seines Lebens übernehmen konnte, und zwar ohneGefahr für sieb und die Gesellschaft.

Seit dem Beginn der Hörigkeit hatte der Katholizismus dieNiederen an der Religion der Höheren theilnehmen lassen unddamit auch an dem Maasse moralischer Erziehung, die daraus folgte.Hamit hatte er überall den Rechten der Hörigen eine Gewähr ge-geben und regelmässige Pflichten gegen dieselben aufgestellt. Auchhatte er immer die Freilassung als eine christliche Pflicht in mehr°der weniger ausdrücklicher Weise feierlich gefordert. Die be-r ühmte Bulle Alexander III. über die allgemeine Abschaffungder Sklaverei innerhalb der Christenheit war nur die etwas späteHeiligung eines Gebrauches, der seit vielen Jahrhunderten unterkatholischem Anstoss sich immer weiter verbreitet hatte.

Seit dem sechsten Jahrhundert steigerte sich unter katholi-schem Einfluss auf die neuen weltlichen Herren die Sitte, persön-liche Freilassungen gleichzeitig für alle Einwohner einer Ortschaftbewilligen. Das rührende Ceremoniell, mit dem ähnliche Be-willigungen geschahen, ist ein unbewusstes Zeugniss von dem