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Seclisundfünfzigsfces Kapitel.
hauptsächlich von der vorübergehenden Natur dieser Epoche. Derästhetische Aufschwung verlangt nicht nur einen genügend eigen-thümlichen sozialen Zustand, um eine kräftige Idealisirung zu ver-tragen, er verlangt auch eine Beständigkeit desselben, damit zwi-schen dem Autor und dem Zuschauer jene innige Harmonie sichbilde, ohne welche die Wirksamkeit der schönen Künste keinengrossen Einfluss gewinnen kann. Nun waren diese beiden Be-dingungen bei den Alten vereint vorhanden, aber seitdem sind siees niemals wieder in genügendem Maasse gewesen. Das Mittel-alter bildet einen ungeheuren TJebergang, der in aller Hinsichtnoch nicht beendet ist. Dies erklärt das Missverhältniss, welcheszwischen den schwachen Ergebnissen der ästhetischen Bewegungund der Energie seiner eigentümlichen Thätigkeit besteht. DieserMangel ist von den Anhängern der entgegengesetzten Schulen, diesich um das Reich der schönen Künste streiten, falsch beurteiltworden; die einen sehen darin den Beweis einer unerklärlichenAbnahme der ästhetischen Fälligkeiten, die andern schieben es aufdie gehorsame Nachahmung der Meisterwerke des Altertums.Diese letztere Meinung ist nicht so grundlos wie die erstere.Indess nimmt man auch hier die Wirkung für die Ursache undlegt eine übertriebene Wichtigkeit auf einen nur untergeordnetenEinfluss; denn wenn die katholischen und feudalen Verhältnisseeine solche Festigkeit gestattet hätten, wie die des griechischenund römischen Lebens, so würde ihr Uebergewicht einen ästheti-schen Rückschritt, wie er aus einer zu ausschliesslichen Vorliebefür die alten Meisterwerke hervorging, zurückgehalten haben.Das Schwanken, welches die moderne Kunst kennzeichnet undwelches deren Einfluss nach einer erst so sicheren, so ur-sprünglichen und so volksthümlichen Entwickelung im Mittelalteraufgehoben hat, erklärt sich aus der Unsicherheit der sozialen Zu-stände. Eine grosse ästhetische Entwickelung war bei Völkernunmöglich, wo jedes Jahrhundert und mitunter jede Generationdie sozialen Zustände abänderte, ehe noch die Dichter und Bildnersie hatten durchdringen können. Deshalb war der Geist der Kreuz-züge, welcher der gewaltigsten Poesie so günstig war, verschwunden,als die modernen Sprachen soweit ausgebildet waren, um jeneZeit zu idealisiren. Dagegen waren bei den Alten alle sozialen