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Zweiter Band.
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Sechsundfirnfzigstes Kapitel.

rang herbeiführen, so dass es mitunter unmöglich wird, eine scharfeGrenze zwischen der Kunst und dem Handwerk zu ziehen.

Das industrielle Leben am Ende des Mittelalters war derästhetischen Entwickelung, die bereits durch die vorgehenden Ver-hältnisse ihren Anstoss empfangen hatte, durchaus nicht feindlich,sondern steigerte deren Festigkeit und Volksthümlichkeit. Wennder katholische und feudale Zustand länger angedauert hätte, sowürde die ästhetische Bewegung des 12. und 13. Jahrhundertsdurch ihre Gleichartigkeit eine überwiegende Bedeutung gegenalles das gewonnen haben, was seitdem sich entwickelt hatte,namentlich in Bezug auf den vom Volke geübten Einfluss, demwahren Kennzeichen der schönen Kunst. Der schnelle und oftgewaltsame Uebergang, welcher sich in dieser revolutionären Periodevollzogen und zu welchem der industrielle Fortschritt so viel bei-getragen hat, ist dem ästhetischen Genie an einer festen Richtungund an einem bestimmten Ziele hinderlich gewesen. Zwischen demalten, erlöschenden gesellschaftlichen Sinne und dem neuen, so weniggekennzeichneten, konnte die Kunst nicht das erkennen, was siezu idealisiren habe, noch der Gefühle sicher sein, auf die sie sich zustützen hätte. Daraus ist jene Eigenthümlichkeit der modernen Kunsthervorgegangen, die ja auch die Industrie und die Wissenschaftkennzeichnet. Der ästhetische Genius ist nicht ausgeartet, aber erhat sich ausgedehnt und vervollständigt. Allein trotz dieser werth-vollen Eigenschaften ist dessen Einfluss inmitten einer sozialenUmgebung gesunken, welche ihm weder die Bestimmtheit noch dieFestigkeit bot, deren er nicht entbehren kann. Er musste diereligiösen Gemiithsbewegungen in seinen Werken bieten, währenddoch der Glaube erlosch, und kriegerische Sitten für friedfertigeBevölkerungen darstellen; diese widerspruchsvolle Lage hat derRealität seiner Leistungen, ja selbst seinen eigenen Eingebungengeschadet. Die moderne Kunst entbehrte der philosophischenLeitung und der sozialen Bestimmung und hatte so nur den Instinkt,der die energischsten Fähigkeiten zu einer steten Thätigkeit trieb,zu ihrer Anregung. Die ästhetischen Einrichtungen, welcheman damals traf, haben die Kunst nur um der Kunst willen gepflegt,oder sie haben nach den bescheidneren, aber gleichbedeutendenAusspruch Corneille’s sich kein anderes Ziel gesetzt, als das ;