Band 
Zweiter Band.
Seite
362
JPEG-Download
 

362

Sechsundfünfzigstes Kapitel.

Die zweite Gestaltung ist für die Wissenschaft ebenso, wiefür die Kunst, die -wichtigste Periode. Die Wissenschaft erhältnun Begünstigungen von mehreren europäischen Staaten, welchesie gegen die theologische und metaphysische Philosophie in Schutznehmen. Eine ausserordentliche spekulative Bewegung, die voneiner kleinen Zahl genialer Männer ausgeht, kennzeichnet diesenZeitraum und bietet zwei Fortschritte, die einander bedingen. Dereine ist wissenschaftlich oder positiv und befasst mathematische undastronomische Entdeckungen; der andere ist philosophischer Naturund betrifft die Anstrengungen des wissenschaftliches Geistes, umsich der Vormundschaft der alten Philosophie zu entziehen.Dieser zweite Fortschritt war für den ersten unentbehrlich. Dieser,bei welchem Italien, Deutschland, Frankreich und England einenedlen Antheil nahmen, wird durch das Werk bezeichnet, was mandem Genie Kepler’s verdankt und durch die Entdeckungen desCopernikus und die Arbeiten Tycho de Brahe’s herbeigeführtwurde; sie begründeten das System der Geometrie des Himmels.Dieses ungeheure Werk führt zur Begündung der Mechanik desHimmels und scliliesst sich an die Entdeckungen Newtons mittelsder Ausbildung der mathematischen Lehre von der Bewegung an,die Galilei begründet und Huyghens vervollständigt hatte.Zwischen diesen beiden Reihen von Arbeiten stellt die geschicht-liche Ordnung die von Descartes ausgeführte mathematische Revo-lution, welche an die rechnungsmässige Entdeckung von Leibniz reicht. Jede dieser beiden Reihen zeigt eine offenbare Abstammungvon einander. Die Entdeckung der Bewegung der Erde und dieerneuerte Prüfung aller astronomischen Feststellungen gestattetennicht mehr die Beibehaltung der Hypothesen von kreisförmigenund gleichen Bewegungen mittels der Aushülfe der Epizykel; siewurde vielmehr durch die glückliche Gesetzgebung Kepler’s ersetzt.Dessen Gesetze konnten zur Lehre von der Gravitation nur mittelsBegründung der abstrakten Lehre von der krummlinigen Bewegung,sowohl der freien, wie der erzwungenen, führen. Vorbereitet vondem auf das Allgemeine gerichteten Geiste des Vieta, hat dieAuffassung des Descartes über die rechnungsmässige Geometrieden wichtigsten Fortschritt in der mathematischen Philosophie ge-bildet und das Verhältniss des Abstrakten zum Konkreten geordnet.