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Zweiter Band.
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Siebenundfünfzigstes Kapitel.

lisation befestigen. Dagegen ging nach dieser Vereinigung beiderArten des Polytheismus dieser selbst seinem unvermeidlichen Unter-gang entgegen. Die Vollendung des Systems von Eroberungenliess sein wichtigstes Amt aufhören. Das monotheistische Re-giment allein konnte die Entwickelung der Menschheit weiterführen und unter einem gemeinsamen Kultus die Völker vereinigen,welche durch nationale Religionen, die jetzt ohne Inhalt, getrenntgewesen waren, und bei dessen Bestand das Bedürfnis nach einerallgemeinen Moral sich erhob. Auch wurde es nun unmöglich, überein so ausgedehntes Gebiet die Konzentration der beiden Mächteaufrecht zu erhalten, welche sich zunächst auf die Herrschafteiner Stadt bezogen hatte. Die spekulative Thätigkeit der Philo-sophen, welche ausserhalb der gesetzlichen Ordnung stand, trug insich den Keim einer geistlichen Gewalt, die unabhängig von derweltlichen war.

Als Ergebniss einer solchen Lage bildete der Monotheismus im Mittelalter die letzte religiöse Gestaltung der Menschheit,während der alte politische Organismus zu einer allmählichenZersplitterung gelangte, welche, durch die Einfälle beschleunigt,die Nothwendigkeit eines geistüchen Bandes fühlbar machten. Seinfrüherer Bestand erlitt damals eine Veränderung, die das An-zeichen seines Niederganges war. Die Vernunft bemächtigte sicheines allmählich zunehmenden Theiles von dem Gebiete des reli-giösen Geistes; die erobernde Thätigkeit verwandelte sich in einevertheidigende; die Trennung der Gewalten wurde organisirt; dasPrinzip der Kasten wurde durch die Unterdrückung der Erblichkeitdes Priesterstandes erschüttert. Bevor indess der theologische undmilitärische Organismus, so verändert, verschwand, machte er seinecivilisatorische Eigenschaft durch Aufrichtung einer allgemeinenMoral und durch die Entwickelung neuer sozialer Elementebemerkbar. Die Theilung der Gewalten, welche anfangs nurempirisch erfolgte, wurde durch die Unvollkommenheit der herr-schenden Theologie stark gehemmt und sogar bald in Gefahrgebracht. Trotz seines vergänglichen Charakters hat dieserzu frühzeitige Versuch doch zu einem fundamentalen Ergebnissgeführt, welches als Grundlage aller weiteren Fortschritte dieMoral unabhängig von der Politik machte. Das monotheistische