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Siebenundfünfzigstes Kapitel.
Schulen erheben, wiewohl vergeblich, den Anspruch, dass die tlieolo-gischenLehren die Moral begründen sollen, allein die Erfahrungender letzten drei Jahrhunderte zeigen, dass diese mittelbare Weise, diefür das erste Alter der Menschheit allerdings unentbehrlich war, fürderen reiferes Alter nicht mehr passt Die Anwendung jener ur-sprünglichen Mittel hat immer zu einem Niedergang geführt,welcher der Philosophie entsprach, aus der sie hervorging, undzwar in dem Maasse, als die Einsicht und der gesellschaftlicheTrieb der Masse gestattete, die Regeln der Moral nach ihrem Ein-fluss auf den Einzelnen und die Gesellschaft zu beurtheilen. DerKatholizismus hat der menschlichen Vernunft viele nützliche Vor-schriften geliefert; dieselben waren sonst der religiösen Sanktionunterworfen und die alten Philosophen meinten, dass man sie niederselben entziehen könne.
Der Glaube ist jetzt nur ein individueller; auf solchem schwachenGrunde kann man keinen Bau errichten. Man verkennt die Un-abhängigkeit des Priesterthums, ohne welche die Religions-Philo-sophie in moralischer Hinsicht niemals wirksam sein kann. KeineInkonsequenz kommt der der modernen Deisten gleich, welchemeinen, der Moral die Heiligung durch eine Religion ohne Offen-barung, ohne Kultus und ohne Geistlichkeit geben zu können. DiePrüfung des Katholizismus zeigt die Bedingungen, die für die Er-füllung seiner moralischen Aufgaben unumgänglich waren, welcheaber die revolutionären Thaten allmählich zerstört haben. Die Un-abhängigkeit der Moral von jedem Glauben ist so unzweifelhaft,dass kurzsichtige, aber unzweifelhaft loyale Beobachter daraus dasUnnütze jedes moralischen Unterrichts gefolgert haben. Die zulange Verbindung der Moral Vorschriften mit der theologischenLehre hat die Wirksamkeit jener gehemmt, da der Unglaube, derletzterer anhing, auch auf jene zurückwirkte. Eine solche Gemein-schaft wird selbst zu einem Hemmniss für die Moral, da sie dieAufrichtung einer Lehre verhindert, gegen welche ungerechte reli-giöse Schreier unter den Katholiken, Protestanten und Deistenschon im Voraus verläumderische Beschuldigungen erheben, alswollten sie damit um die Wette der gegenwärtigen Anarchie jedenAusweg verschliessen.
Der positive Geist wird ebenso feste wie allgemeine Ueber-