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Achtundfünfzigstes Kapitel.
konkreten Wissenschaft zu bilden hat. Nun ist aber der mathe-matische Gleist, der die Abstraktion auf den höchsten Grad treibtund die Herrschaft der Rechnung einfuhrt, unverträglich mit derWirklichkeit, welche die dem Dasein der lebenden Wesen ge-weihten Studien davon unterscheiden muss. Die Soziologie ent-wickelt dagegen, bei Einhaltung des abstrakten Charakters, die ange-messensten Bestimmungen für die Pflege der eigentlichen Natur-wissenschaften. Die Interessen des konkreten Studiums forderndeshalb, dass der Vorsitz in der Philosophie derjenigen Wissen-schaft zukomme, bei der das Unangemessene des abstrakten Zu-standes durch die vollständigere Verwirklichung der gewöhnlichenVorstellungen gemindert werde.
Die Soziologie bewirkt den Uebergang von der Wissenschaftzur Kunst. Keine andere Weise vermag das Gefühl des Schönender Kenntniss des Wahren unterzuordnen. Die ästhetische Be-trachtung verträgt sich nur mit der Art des wissenschaftlichenGeistes, der am besten zur Einheit, die ja der Menschheit ammeisten eingeprägt ist, treibt. Die der Kunst ungünstige Richtung,welche che Empiriker der Wissenschaft Vorhalten, ko mm t, von demVorherrschen des mathematischen Geistes in derselben, das seit dreiJahrhunderten bestanden hat. In diesem Sinne sind die gewöhn-lichen Klagen ganz begründet. Nichts widerspricht dem ästheti-schen Urtheil mehr als die Gewohnheiten der Geometer, die immerbeweisen wollen, wenn es sich um das Empfinden handelt. Dieneue Philosophie wird sich den schönen Künsten günstiger be-weisen als die theologische Philosophie selbst in ihrem polythei-stischen Zustande. Um diese Richtung zu erkennen, genügt dieBemerkung, dass der positive Geist, welcher unter dem Vorsitz derMathematik den ästhetischen Betrachtungen fern geblieben war,im Gegentheil genöthigt ist, sie in sich aufzunehmen, sobald er,bei der soziologischen Stufe angelangt, die Gesetze der mensch-lichen Entwickelung zu entdecken unternimmt, von denen dieästhetische Entwickelung eines der Elemente ist. Ein solchesStudium lässt am besten das Verhältniss erkennen, wonach dasGefühl einer idealen Vollkommenheit dem Begriff des wirklichenDaseins untergeordnet werden muss. Indem die Soziologie jedeübernatürliche Vermittelung beseitigt, wird die Soziologie zwischen