Band 
Zweiter Band.
Seite
475
JPEG-Download
 

Achtundfünfzigstes Kapitel.

475

unerforschlich bleiben. Die Kenntniss dieser Aelinlichkeit oderAbfolge genügt für die Erreichung des Zieles aller positiven Studiender Natur; denn die Vorgänge können seitdem aufgehellt und dieeinen durch die andern vorgesehen werden. Dieses Voraussehenkann sich übrigens auch auf die Gegenwart und selbst auf dieVergangenheit, so gut wie auf die Zukunft erstrecken. Es hatüberall denselben Charakter; es will die Ereignisse erkennen, un-abhängig von ihrer unmittelbaren Beobachtung, lediglich mittelsihrer gegenseitigen Beziehungen.

Ich habe in diesem Werke die Gesetze der Aehnlichkeit undder zeitlichen Folge unter einer mehr gebräuchlichen, sonst abergleichbedeutenden Gestalt betrachtet, indem ich erst das statischeStudium und dann das dynamische bei jedem Gegenstand sichfolgen liess, also einmal nach seinem Dasein und dann nach seinerThätigkeit. Legt man zu grosse Wichtigkeit auf diese Benennungen,so hält man sie der Mathematik entlehnt, allein sie könnten ebensogut der musikalischen Kunst entnommen sein, die in dieser Hin-sicht eine viel glücklichere Vergleichung in dem Gegensatz derHarmonie und Melodie bietet. Abgesehen von den Formeln, istdieser Unterschied in der Mathematik am wenigsten hervortretend,und er passt auch in der That nicht für die Geometrie, bei welcheres sich nur um gleichzeitige Beziehungen handelt; er beginnt erstbei der Mechanik, woher auch die Namen kommen. Das Studium derlebenden Körper macht sie deutlicher, da sie hier auf die Begriffeder Organisation und des Lebens angewendet werden. Die Sozio-logie betont *sie schliesslich im höchsten Maasse, indem sie die-selben mit den Begriffen der Ordnung und des Fortschritts zu-sammenstellt.

ln logischer Beziehung zeigen die Naturgesetze einen andernUnterschied, je nachdem ihre Quelle die Versuche oder die Ver-nunft sind. Dieser Unterschied beeinflusst weder ihre Sicherheit,noch ihre Nützlichkeit, wenn sie nur in der für die Natur desGegenstandes passendsten Weise festgestellt und begründet sind.Jede der sechs Wissenschaften bietet Beispiele zu diesen sich er-gänzenden Wegen. Trotz der Vorurtheile der Geometer gehörtzu den Entdeckungen Keplers das gleiche Genie, wie zu denenvon Newton. Die ersten Gesetze der rationellen Mechanik, und