Band 
Zweiter Band.
Seite
480
JPEG-Download
 

480

Achtundfünfzigstes Kapitel.

anlasst, weil das Uebergewicht einer absoluten Philosophie eineWahrheit ohne ihre UnVeränderlichkeit nicht gestattete. Auchnoch eine andere Folge dieses fehlerhaften geistigen Regimentswird durch die positive Philosophie beseitigt; es ist die Neigung,die Ueberlegenheit der modernen Vernunft zu übertreiben und diefrüheren Meinungen als ein Anzeichen eines gestörten geistigenZustandes aufzufassen, welcher bis in die letzten Jahrhunderte be-standen habe, ohne dass man dabei sich mit der Angabe einesGrundes für den Anfang oder das Ende dieses Zustandes be-mühte. Diese Richtung ist die Grundlage der revolutionären Auf-fassungen und hindert das gesunde Urtheil über die menschlicheEntwickelung in ihrer Gesammtheit. Ich habe sie in diesem Werkeberichtigt; das Studium der Vergangenheit hat uns nicht blos diezeitliche Folge der verschiedenen Lehren in jeder Wissenschaft,sondern auch die verschiedensten religiösen Meinungen im Gegen-satz zu unseren jetzigen Kenntnissen in der Weise und in demSinne kennen gelernt, als hätten sie immer, zunächst bei ihremAufkommen und dann während ihrer Dauer, das beste Systemgebildet, was mit der betreffenden Periode der menschlichen Ent-wickelung verträglich gewesen; d. h. als die wenigst unvollkommeneAnnäherung an die fundamentale Wahrheit, die damals möglichwar, und der wir uns gegenwärtig mehr genähert haben. Die ge-sunde Philosophie erklärt so mittels des Prinzips einer zunehmen-den Harmonie zwischen den Auffassungen und Beobachtungen dieBewegung in den allgemeinen Ansichten der Zeit, welche die Mann-barkeit des Geistes vorbereiten. In dieser Weise hat die Soziologieeine relative Philosophie gegründet, indem sie die Idee einer Ent-wickelung, die einem bestimmten Gang unterliegt, zu der über-wiegenden machte.

Nach dieser Darlegung des Wesens der positiven Methode,wende ich mich zur Prüfung ihrer Bestimmung bei dem Einzelnenwie bei der Gattung und zwar zunächst in Bezug auf das speku-lative und dann auf das praktische Leben.

Die theoretische Aufgabe dieser Methode hat in Bezug aufden Einzelnen einem doppelten Bedürfnis« des Geistes zu genügen,nämlich dem die Kenntnisse zu erweitern und zu verbinden. Diesebeiden Bedingungen sind nur unvollkommen erfüllt worden und