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Zweiter Band.
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Sechzigstes Kapitel.

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dürfnissen entwickelt hat, lässt furchten, dass das passendsteRegiment für die einen, den andern nicht genügen kann. DieserGegensatz ist dasErgebniss einer vorübergehenden Lage, in welcherdie moralischen Fragen anscheinend nur der alten Philosophie zu-gehören sollen; indess wird die Ausdehnung der Positivität auf diehöchsten Spekulationen diesen Gegensatz verlöschen, indem sie dasUebergewicht auf den sozialen Gesichtspunkt legt.

Die französische Revolution hat im Mangel moralischer Prin-zipien einen Antrieb erweckt, geeignet für die Unterdrückung desEgoismus. Allein das Naclilassen der revolutionären Leidenschaftenlässt deutlich die Gebrechlichkeit metaphysischer Grundlagen er-kennen, welche den geringsten Störungen nicht widerstehen können.Die tiefen Ueberzeugungen, welche die Theologie hat erlöschenlassen und die Metaphysik nicht hat ersetzen können, werden inder Moral nur durch das Uebergewicht des positiven Geistes wiederhergestellt werden können. In den Schwankungen der gegen-wärtigen Anarchie werden die nothwendigsten moralischen Prin-zipien in Zweifel gezogen. Wenn aber diese Prinzipien auf denGesammt-Gesetzen der menschlichen Natur ruhen werden, werdensie den leichten Ausflüchten keinen Raum mehr verstatten, durchwelche aufrichtige Gläubige in ihren eigenen Augen, wie in denenAnderer, der Strenge der moralischen Vorschriften ausweichen, seit-dem die religiösen Lehren ihre Wirksamkeit unter dem Verfall derpriesterlichen Gewalt eingebüsst haben. Man vergisst bei den oftungerechten Vergleichungen, welche man zwischen der positivenund religiösen Moral anstellt, dass die erstere kaum entworfen istund jeder regelmässigen Einrichtung noch entbehrt, währendletztere, durch hundertjährige Arbeit ausgearbeitet ist und von demganzen sozialen Apparat, welchen ihre Anwendung erfordert,unterstützt worden ist.

Der Einfluss der positiven Philosophie kann jetzt nur bezüglichder Lehren, ohne Rücksicht auf die Einrichtungen abgeschätzt werden.Ich werde zu dem Ende jeden der drei Grade unterscheiden, welcheder Moral eigen sind, wenn man sie zunächst nach der Person,dann nach der Familie und zuletzt nach der sozialen Gemeinschaftbetrachtet.

In ersterer Beziehung wird die positive Moral einen grösseren

Com te-Big, Positive Philosophie. II. 33