Börse.
6. Route. 15
An der S.W.-Seite wurde in der Spätzeit der Renaissance (nach1612) durch Luder von Bentheim noch eine Fassade vorgebaut,welche auf 12 dorischen Säulen ruht und durch einen reich ge-schmückten Erker und stattlichen Giebel sich auszeichnet. Eie16 Statuen zwischen den Fenstern (am Markt den Kaiser u. die7 Kurfürsten darstellend) stammen noch aus dem Mittelalter.
Aus dem unteren Flur steigt man auf einer Holzwendeltreppe (stetszugänglich) hinauf nach der "großen Halle, c. 45m lang, 14m breit,welcher mit dem „goldnen Saal“ in Augsburg und dem «roten Saal“ desaltstadt. Danziger Rathauses das vornehmste Beispiel derartiger Pracht-bauten'darstellt. Links ein großes Gemälde von Hunten : das Eingreifender 17. Eivision (zwei hanseatische Regimenter) in der Schlacht von Loigny 2. l>ec. 1870. An der Decke Medaillonbilder deutscher Kaiser von Karld. Gr. bis Sigismund und alte Schiffsmodelle. In den bunten FensternNamen und Wappen bremischer Ratsmänner. In einer Ecke des Saalesein Standbild des Bürgermeisters Smidt (S. 14), aus karrar. Marmor, vonSteinhäuser (Smidts Wohnhaus, Contrescarpe n<>25, trägt dessen Medaillon-bild). Zu dem über der „Güldenkammer „gelegenen Zimmer führt eineüberreich geschnitzte alte Treppe.
An der Westseite ist der Eingang in den berühmten, nur mit Rhein -und Moselwein gefüllten ^Ratskeller , durch Hauffs „Phantasien im BremerRatskeller“ allgemeiner bekannt, neuerdings bedeutend erweitert und mitprächtigen *Fresken von Arthur Füger , dem Bremer Maler und Dichter,geschmückt (Brema mit ihren zechenden Kindern 5 Bacchusfest mit denFiguren Anakreons u. Matthias Claudius’, Victor Scheffels u. Horaz ’; Sce-nen aus Hauffs Phantasien, in etwas veränderter Auffassung). Der Kellerist geöffnet bis 11 Uhr abds., Sonntags nur von 3 U. nachm, an; man kannden Wein in ganzen u. halben Flaschen, Rüdesheimer Apostelwein auchin Gläsern (*/io Liter 80 Pf.) bekommen ; auch Austern, kalte und abendswarme Speisen. Die ältesten Fässer sind die Rose (von 1653) und die12 Apostel; sie liegen in besonderen Abteilungen des Kellers. An derDecke des Raumes, wo der Rosenwein liegt, eine große gemalte Rosemit Umschrift; hier hielt, so sagt man, vor Zeiten der Rat wichtigeSitzungen: was „sub rosa “ verhandelt wurde, erheischte tiefstes Schwei-gen. Die mächtigen reich verzierten Fässer im Hauptkeller sind bis aufeins jetzt leer; ebenso das Bacchusfaß am Ende des Kellers 1.; der kolos-sale derb geschnitzte Bacchus auf ihm ist an die Stelle des alten, schließ-lich zerfallenen getreten. (Der Küfer geht von Zeit zu Zeit durch die Gast-räume und fordert zur Besichtigung des Kellers auf; Trkg.).
Der 5,0m h. steinerne *Roland (PI. 7) vor dem Rathaus, 1412an der Stelle eines hölzernen neu aufgerielitet, ist das seit demxiv. Jahrh. in Norddeutsehland häufige Sinnbild des Marktreehts(„Freiheit“ oder „Weichbild “ genanntj. Am linken Arm trägt derRiese einen Schild mitdemReichsadlerundderUmschrift: „Vryheitdo ik ju openbar, de Karl (d. i. Karl d. Gr.) und mennich Vorstvorwar desser Stede ghegheven hat, des danket Gode is min Radt. “
Die großartige *Börse (PI. 2: D E 5 ; vorm, geöffnet)ist 1861-64nach Heinrich Müllers Plänen als fünfschifflge Basilika gotischenStils erbaut. An der Westfassade 6 allegorische Standbilder: Land-mann und Bergmann, Schiffer u. Südseefahrer, Maschinenbaueru. Künstler; am nördl. Portal Friede und Fleiß, Weser u. Ocean,sämtlich von Kropp . Die imposante Börsenhalle, reich dekoriert,hat eine kassettierte, von Strebewerk getragene Decke; die Seiten-schiffe werden von je 2mal 6 Säulen getragen; im TreppenhausWandgemälde von Arthur Fitger - die Fläche der Südwand der Halle