134
Verfassung von keinen anderen Feinden, als von der menschlichenVernunft mit ihren schwachen Waffen angegriffen worden, so hättesie wohl ewig gedauert. Aber dieses unermeßliche und fcstgegründctcGebäude, das durch alle menschliche Weisheit und Tugend nichthätte erschüttert werden können, wurde durch den natürlichen Laufder Dinge zuerst wankend gemacht, und dann zum Theil zerstört,und läßt jetzt voraussehen, daß es vielleicht in wenigen Jahrhunder-ten in Trümmer fallen wird.
Die allmäligen Fortschritte in Künsten, Manufakturen undHandel, die nämlichen Ursachen also, wodurch die Macht der großenBarone zu Grunde ging, vernichteten auch in dem größten Theilevon Europa die ganze weltliche Macht der Geistlichkeit. In denProdukten der Künste, der Manufakturen und des Handels fand dieGeistlichkeit ebenso, wie der Adel, Gegenstände, wofür sie ihr Roh-produkt vertauschen konnte, und entdeckte hierin Mittel, ihre gestimm-ten Einkünfte auf ihre eigenen Personen zu verwenden, ohne andereLeute daran beträchtlichen Antheil nehmen zu lassen. Ihre Mild-thätigkeit wurde nach und nach weniger ausgebreitet, ihre Gast-freundschaft weniger freigebig oder weniger verschwenderisch. Da-durch wurden ihrer Anhänger immer weniger und schwanden mit derZeit ganz zusammen. Es wünschte die Geistlichkeit nun auch gleichdem Adel von ihren Ländercien eine bessere Rente zu ziehen, um diesegleichfalls auf die Befriedigung ihrer Eitelkeit und Thorheit zu ver-wenden. Diese Zunahme der Rente konnte aber nur dann eintreten,wenn sie mit ihren.Lehnsleuten Pachtkontrakte schloß, wodurch dieletzteren von ihr ziemlich unabhängig wurden. So brachen oderrissen die Bande des Interesses, welche bisher die niedere. Klasse desVolkes an die Geistlichkeit gefesselt hatten. Sie brachen und rissensogar eher, als die Bande, wodurch die nämlichen Volksklassen anden großen Baronen hingen: denn da die Pfründen der Kirche mei-stcntheils viel kleiner waren, als die Güter der großen Barone, sowar der Besitzer einer Pfründe noch weit eher im Stande, sein gan-zes Einkommen auf seine eigene Person zu wenden. Beinahe wäh-rend des ganzen vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts war dieMacht des Adels in den meisten europäischen Ländern in vollerBlüthe, wogegen die weltliche Macht der Geistlichkeit, dic.unum-