137
wenn cr sich gegen eine alte Autorität auflehnt. Die Lehrer desneuen Glaubens waren vielleicht in anderer Rücksicht nicht gelehrter,als die Theologen, welche die alte Kirche vertheidigten; aber siescheinen im Allgemeinen mit der Kirchcugeschichte und mit dem Ur-sprünge und Fortgangc derjenigen Meinungen, auf welche sich dieAutorität der Kirche gründete, besser vertraut gewesen zusein, underhielten dadurch über sie in fast jedem Streite einigen Vortheil. DieStrenge ihrer Sitten gab ihnen bei dem gemeinen Volke, welchesdie große Sittlichkeit ihres Betragens mit der regellosen Lebensweiseder meisten Geistlichen ihrer Kirche in einen grellen Konstrast setzte,hohes Ansehen. Auch besaßen sie in einem weit höheren Grade alsihre Widersacher alle Künste der Popularität und deö Bckchrnngs-cifcrö, Künste, welche die stolzen, mit hohen Würden bekleidetenSöhne der Kirche längst als höchst unnütz vernachlässigt harten.Den Einen empfahl sich die neue Lehre durch ihre Vcrnünftigkcit,den Anderen durch ihre Neuheit, einer noch weit größeren Zahlwurde sie lieb, weil man die alte Geistlichkeit haßte und verachtete,bei den Allermeisten aber fand sie durch die eifrige, leidenschaftlicheund schwärmerische, obgleich oft plumpe und bäuerische Bcredtsam-keit Eingang, mit der diese Lehre fast allenthalben vorgetragen undeingeschärft wurde.
Der Fortgang, den die neue Lehre nahm, war fast allenthalbenso groß, daß es den Fürsten , die gerade mit dem römischen Hosenicht auf gutem Fuße standen, durch Hülfe derselben sehr leichtwurde, in ihren Ländern die Kirche, die alle Achtung und Ver-ehrung bei den niedrigen Volksklaffcn verloren hatte und kaum mehrWiderstand leisten konnte, zu überwältigen. Der römische Hof hatteeinige der kleineren Fürsten im nördlichen Theile Deutschlands , diecr wahrscheinlich für zu unbedeutend hielt, um sich die Mühe zunehmen, sie für sich zu gewinnen, beleidigt, und diese führten dafürallgemein die Reformation in ihren Länden ein.
Die Tyrannei Chisticrn'ö II. und deö Erzbischofs Troll vonUpsala machte es Gustav Wasa leicht, beide aus Schweden zu ver-treiben. Der Papst nahm sich deö Tyrannen und des Erzbischofsan, und so fand Gustav Wasa keine Schwierigkeit, die Reformationin Schweden einzuführen. Später wurde Christicrn II. auch des