Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
225
JPEG-Download
 

223

nommcn kein unmtbehrlichcö Lebcnsbcdürfniß. Die Griechen undRömer lebten trotz dem, daß sie kein Leincnzeug hatten, gar nichtschlecht. Aber heutiges TageS würde in den meisten europäischen Ländern ein achtbarer Tagelöhner sich schämen, öffentlich ohne einleinenes Hemd zu erscheinen, da der Mangel desselben jenen schimpf-lichen Grad von Armuth anzuzeigen schiene, in welchen, wie manannimmt, Niemand fallen kann, wenn ihn nicht eine äußerst schlechteAufführung so weit herunterbringt. Ebenso hat die Gewohnheitlederne Schuhe zu einem dringenden Lcbcnöbedürfniß in Englandgemacht. Die ärmste achtbare Person, Mann oder Frau, würdesich schämen, öffentlich ohne dieselben zu erscheinen. In Schottland hat die Gewohnheit sie zu einem Lebcnsbcdürfniß selbst der gemein-sten Männer gemacht, aber sie sind es nicht für die Weiber der nie-deren Klaffe, die barfuß gehen können, ohne daß es ihnen Schandemacht. In Frankreich sind sie weder für Männer noch für Frauenein Lebcnsbcdürfniß: Männer lind Frauen aus der niederen Volks-klasse erscheinen dort öffentlich, ohne daß cS ihnen Schande macht,bald in Holzschuhen und bald barfuß ^). Unter unentbehrlichenDingen verstehe ich also nicht bloß diejenigen, welche durch die Natur,sondern auch diejenigen, welche durch die eingeführten Regeln desAnstandcö auch der niedrigsten Klasse deö Volkes unentbehrlich ge-worden sind. Alle übrigen Dinge nenne ich Luruögcgcnstände, ohneaber durch diese Benennung den allergeringsten Tadel aus den mäßi-gen Gebrauch derselben werfen zu wollen. Bier und Ale z. B. inGroßbritannien , und Wein selbst in den Wcinländcrn nenne ichLuruögcgcnstände. Ein Mensch, von welchem Range er auch sei,kann steh deö Genusses dieser Getränke gänzlich enthalten, ohne sichdadurch tadelnswert!) zu machen. Die Natur macht sie nicht zurUnterhaltung des Lebens nothwendig, und die Gewohnheit machteö nirgends zu einer Unanständigkeit, wenn man ohne sie lebt.

Da der Arbeitslohn überall theils durch die Nachfrage nachArbeit, theils durch den Durchschnittspreis der zum Lebensunterhaltenothwendigen Dinge bestimmt wird, so muß Alles, was diesenDurchschnittspreis erhöht, nothwendig auch den Lohn erhöhen, sodaß der Arbeiter immer im Stande bleibt, sich diejenige Menge dernothwendigen Dinge zu kaufen, welche er nach dem Zustande derIV. 18