Band 
Zweiter Theil. E-J.
Seite
363
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Friktion 363

Erhöhungen werden gänzlich losgerissen, während dereine Körper auf dem andern sich fortbewegt. Man kannalso im ersten Falle diese Erhöhungen oder Spitzen alslauter kleine elastische Federn ansehen, welche gekrümmtwerden müssen, wenn ein Körper auf dem andern hinge«schoben werden soll. Da ist es denn einerlei, ob einGewicht nur eine, oder zwei Federn niederzudrücken hat,wofern nur die Elasticität beider Federn gleich ist; beideFedern zusammen wird das Gewicht nur halb so starkkrümmen, als eine allein. Sind also in gleichen Thei,len der Flache eines Körpers eine gleiche Anzahl elastischerZedern anzutreffen, so wird eine andere Fläche, die überjene hingleiten soll, und deren Gewicht immer einerleiist, einerlei Widerstand finden, die Fläche mag größeroder kleiner seyn. Denn wenn sie eine größere MengeFedern zu biegen hat, so wird sie dieselben nur wenigerbiegen, und in eben dem Maße wird begreiflich auchder Widerstand zunehmen.

Leupold und de la Hire, welche die Versuchedes Amontons wiederholten, fanden seine Behaup-tungen bestätigt. Auch Leibnitz stimmte ihnen bei;nur L. E- Sturm brachte ein entgegengesetztes Resul-tat zum Vorschein. Dieser verdienstvolle Mathematikerzog aber das Moment der Friktion mit in Be-trachtung, obgleich bei den Versuchen nur die absoluteoder eigenthümliche Reibung, abgesondert von allen an-dern Umständen, die etwa zur Vermehrung ober Vermin-derung der Friktion etwas beitragen können, bestimmtwerden muß. Deswegen sagt er auch bei den Einwen-dungen, die er dem Amontons macht: wenn dieserRecht hätte, so müßte eine Mühlwclle, 1650 Pfundschwer, auf einem 6 Zoll dicken Zapfen sich eben so leichtbewegen, als auf einem Zapfen, dessen Dicke nur Z Zollbeträgt. Daraus zog Sturm nun den Schluß, daßAmontons bei seinen Versuchen nicht alle Umständeerwogen, sondern unrichtige Resultate hervorgebrachthätte. Freilich entgingen dem Scharfsinne des Amon-tons wohl einige gute Beobachtungen, die seinen Re-