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Der Tod in Venedig : Novelle / von Thomas Mann
Entstehung
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100
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Wasser ivar es wohl kühl gewesen; Tadzio trug einedunkelblaue Seemanns - Uberjacke mit goldenenKnöpfen und auf dem Kopf eine zugehörige Mütze.Sonne und Seeluft verbrannten ihn nicht, seineHaut war marmorhaft gelblich geblieben wie zu Be-ginn; doch schien er blässer heute, als sonst, sei esinfolge der Kühle oder durch den bleichenden Mond-schein der Lampen. Seine ebenmäßigen Brauenzeichneten sich schärfer ab, seine Augen dunkeltentief. Er war schöner, als es sich sagen läßt, undAschenbach empfand wie schon oftmals mit Schmer-zen, daß das Wort die sinnliche Schönheit nur zupreisen, nicht wiederzugeben vermag.

Er war der teuren Erscheinung nicht gewärtig ge-wesen, sie kam unverhofft, er hatte nicht Zeit gehabt,seine Miene zu Ruhe und Würde zu befestigen.Freude, Überraschung, Bewunderung mochten sichoffen darin malen, als sein Blick dem des Vermißtenbegegnete, und in dieser Sekunde geschah es, daßTadzio lächelte: ihn anlächelte, sprechend, vertraut,liebreizend und unverhohlen, mit Lippen, die sichim Lächeln erst langsam öffneten. Es war dasLächeln des Narziß , der sich über das spiegelndeWasser neigt, jenes tiefe, bezauberte, hingezogeneLächeln, mit dem er nach dem Widerscheine dereigenen Schönheit die Arme streckt, ein ganz

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