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Der Tod in Venedig : Novelle / von Thomas Mann
Entstehung
Seite
135
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tenden Personen begreiflich ist, die man aber dochnicht unbedingt loben kann und zwar um so weniger,als gerade solchen Personen Vorurteile in Sachendes Natürlichen oder Künstlichen wenig angemessensind. Würde sich die Sittenstrenge gewisser Leutegegenüber der kosmetischen Kunst logischer Weiseauch auf ihre Zähne erstrecken, so würden sie nichtwenig Anstoß erregen. Schließlich sind wir so alt,wie unser Geist, unser Herz sich fühlen, und grauesHaar bedeutet unter Umständen eine wirklichereUnwahrheit, als die verschmähte Korrektur bedeutenwürde. In Ihrem Falle, mein Herr, hat man einRecht auf seine natürliche Haarfarbe. Sie erlaubenmir, Ihnen die Ihrige einfach zurückzugeben?

Wie das? fragte Aschenbach.

Da wusch der Beredte das Haar des Gastes mitzweierlei Wasser, einem klaren und einem dunklen,und es war schwarz wie in jungen Jahren. Er bog eshierauf mit der Brennschere in weiche Lagen, tratrückwärts und musterte das behandelte Haupt.

Es wäre nun nur noch, sagte er,die Gesichts-haut ein wenig aufzufrischen.

Und wie jemand, der nicht enden, sich nicht ge-nugtun kann, ging er mit immer neu belebter Ge-schäftigkeit von einer Hantierung zur anderen über.Aschenbach, bequem ruhend, der Abwehr nicht

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