Buch 
Pariser Rechenschaft / von Thomas Mann
Entstehung
Seite
10
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KEINE PLÖTZLICHKEITEN

knabenhaftesten Weise oben hinaus will, wußte es besserund hatuns auf dem Wege einer kleinen Infektionfür acht oder zehn Tage Bettruhe verschafft. Es istdie Grippe, wie sie jetzt umgeht: mit niedrigen Über-temperaturen, langwierigen Affektionen der Luftwegeund gastrischen Störungen, nicht schwer genug, um denGeschmack an der Zigarette ohne Rest zu verderben.Im Grunde, ich bin schon nicht mehr ärgerlich. Ichkann meine verwahrloste Korrespondenz in Ordnungbringen, komme endlich einmal wieder dazu,AbdiasundSalambo zu lesen und kritzele dies an der zumPulte schräg gestellten Platte des über das Bett zu schie-benden Spezialtisches, an dem ich auch meine Mahl-zeiten nehme und der mir als Sinnbild einer Konzen-tration erscheint, die nur das Krankenzimmer gewährt.

In Mainz hatte ich Heidelberg , Köln und Marburg hinter mir, erfreuliche Aufenthalte, reich an Gesichtenund Gesichtern, der Hauptaffäre absichtlich vorgeord-net. Keine Plötzlichkeiten. Aus dem Münchener Arbeits-zimmer und Isarufergehölz nicht unvermittelt in diePariser Aktion. Man muß einen Anlauf schaffen, sichin Gang setzen, das Reden wieder lernen, sich geläufigmachen. Am vierten Schauplatz war ich schon abge-brüht, umgänglich, schamentwöhnt in Hi n sicht auf einschwatzhaftes Ungefähr des Ausdrucks, zugleich katar-rhalisch und geschmeidigt. Ich traf dort mit meinerGefährtin zusammen, die mich in die französischeHauptstadt begleiten sollte. Das war neu und glück-lich. Ich war auf dergleichen Wegen so gewöhnt, siefern daheim zu wissen, daß ihre Gegenwart, obgleichnatürlich vereinbart, eine heitere Unwahrscheinlichkeit