KURZUM, ES IST VIEL WACHSAMKEIT NÖTIG
II
gewann. Begegnung denn also wahrhaftig in der Halledes „Hofs von Holland“, Rheinstraße, als ich abendsmit Herren des Vorstandes aus der Vorlesung zurück-kehrte — in jenem Zustand von Erhitztheit und Er-leichterung, der dem Kontakt mit einer sinnlichenÖffentlichkeit zu folgen pflegt. Ich will die Reize nichtverleugnen, die das Befahrnis in seinen verschiedenenStadien noch heute für mich besitzt, obgleich die An-nehmlichkeit dieser Stadien gelinde gesagt ihre Gradehat. Das Bild vom „Sprung ins kalte Wasser“ hatviel Zutreffendes. Die zehn Minuten im Wartezimmer,während das Murmeln des Saals durch die geschlosseneTür dringt, erinnern stark an die Gefühle lustiger Be-klommenheit, mit denen man sich in einer Kabine ent-kleidet und fröstelnd am Ufer zögert. Aber danntummelt man sich im Elemente warm, und in derwohligen Erschlaffung, die folgt, kommt die Ver-wandtschaft auf ihren Gipfel. Sechshundert oder auchtausend Menschen anderthalb Stunden lang ohne Unter-brechung durch das gesprochene Wort in Atem zu hal-ten, zusammenzuhalten, daß sie nicht auseinander-streben, die Gemeinschaft genauen Lauschens sichnicht lockert, ist eine bedeutende körperliche An-strengung. Husten im Saal ist ein Zeichen beginnenderAuflösung der Disziplin und mit allen durch das Ma-terial gegebenen Mitteln hintanzuhalten. Heiterkeitmuß sich akkumulieren; ihr Sichgehenlassen würdeebenfalls Entspannung bedeuten, weshalb sie im Aus-brechen durch rasches Weitergehen zu ersticken ist,d. i. durch die Bedrohung, in entfesseltem ZustandeUn-er-setzliches zu versäumen. Kurzum, es ist vielWachsamkeit nötig, ein Regieren mit Schultern und