50 DIE ALLIIERTEN HATTEN ES LEICHTER
neuesten Buch sehr fein gehandelt hat; Pierre Vienot ferner, Schriftsteller und Diplomat (er wird zur Bot-schaft in Berlin abgehen, wie ich höre, und man laskürzlich von ihm in der „Revue de Geneve“ einen Auf-satz voll kluger Beobachtungen: „Republique allemandeet Allemagne nationale“. Übrigens erhielt er einen ge-fährlichen Halsschuß im Kriege. Fabre-Luce, Bouchermit seiner Frau, Dr. Zifferer, Du Bos, Lichtenbergerund andere mehr. Das Abendessen war zwanglos. Nichteinmal alle waren im Dinerjacket erschienen. Wäh-rend der Mahlzeit sprach Borei, mir gegenüber, imSitzen einige Worte der Begrüßung, auf die ich nichtzu antworten brauchte. Wie angenehm, daß es zumNachtisch immer ein paar Gläser Champagner gibt —erfreulich und bekömmlich. Die guten Dinge sind jawohlfeil hier: Die Weine und Liköre, die feinen Seifenund Toilettewässer, die feinen Käse. Am Ende hat esetwas auf sich mit dem „Leben wie Gott in Frankreich “.
Bei der Zigarre unterhielt ich mich ausgezeichnetmit Fabre-Luce und Boucher. Ersterer sagte:
„Sehen Sie, die Alliierten hatten zweifellos ein vielgrößeres Interesse an der Erhaltung des Weltzustandesals Deutschland . Hier spielte das Dynamische eineungleich größere Rolle. So verschiebt sich die Schuld-frage auf eine andere Ebene. Die Alliierten hatten esleichter, moralisch zu sein, als Deutschland .“
„Sie werden recht haben“, antwortete ich. „Wir ha-ben diese durch die Verhältnisse gegebene Ungerechtig-keit sehr tief empfunden. Es ist die Rede davon indem Buch, das ihr „Considerations d’un non-poli-tique“ nennt und das euch arg skandalisiert hat. Glau-ben Sie mir, dies Buch war durchaus nicht bös gemeint.“