AUGENSCHEINLICH NICHT AM ZIEL 49
leichten Regen, in seiner Kapuze, wie der, den Crainque-bille „Polyp“ schimpft, um ins Loch zu kommen.Man tritt an seine Seite, man blickt zu ihm auf wie zueinem Vater. So tat meine Gefährtin, und es war gut,wie er mit einem kleinen ruhigen, müden und väter-lichen Scherz zu ihr sagte: „Vous restez encore mapri-sonniere.“ Und dann: „Passez!“
Der Straßenportier des Palais d’Orsay (mit dem gro-ßen Schirm) ruft uns den Wagen. „Rue des Capucines!“Wir fahren ziemlich lange herum, dann halten wir —augenscheinlich nicht am Ziel, Rue des Italiens, wiesich zeigt. Es ist ein Kreuz mit diesen ausländischenChauffeuren. Gott weiß, was der unsrige hier für einLandsmann ist, aber in Paris weiß er nicht besser Be-scheid als wir. Von einer Kapuzinerstraße hat ersichtlich noch nicht gehört. Seine einzige Entschul-digung bleibt, daß er so billig ist, so daß es in dieserHinsicht nichts ausmacht, daß er einige Zeit suchenmuß. Aber wir kommen etwas zu spät; die Gesell-schaft wartet vollzählig.
Es ist ein Klublokal, ich glaube ein amerikanisches,wo die Union intellectuelle uns den Tisch bereitet hat.Der Mathematiker Emile Borei ist da, ehemals Marine-minister, jetzt Deputierter, dessen Gattin, die Roman-schriftstellerin Camille Marbo , ich zu Tische führe.Ferner Langevin, der Physiker, der soeben nationali-stischen Feindseligkeiten ausgesetzt gewesen ist, da ereine deutsche Gelehrte, das Fräulein Rotten, in seinemInstitut hat sprechen lassen; der Dichter Francois Mauriac , dessen Werke erregende Titel tragen: „Geni-trix“, „Le desert de la volupte“, „La Chair et le Sang“,und über dessen großes Talent Andrö Germain in seinem
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