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mus“ zu schwatzen heilloser Purismus und sanitäreFrömmelei. Radikale Askese, das bedeutet immer undüberall nur Charakterschwäche, und man sollte nieman-dem das Gefühl dafür schärfen müssen, welche Un-würde in solcher Bevormundung eines großen, ver-ständigen Volkes läge, dem an Freuden des Lebenswahrhaftig zuviel nicht übrig geblieben ist. Wie manauf so was nur kommen mag! Gewiß hängt es mit den„diktatorischen“ Ideen zusammen, die überall in derLuft liegen. Aber gesetzt auch, daß diese Ideen imPolitischen ihre Berechtigung hätten — aufs Persön-lich-Sittliche ausgedehnt würden sie unerträglich undschändlich. Ihr sammelt Stimmen? Hier ist diemeine! —
Etwas Ruhe nach Tisch. Zum Tee bei Du Bos, RueBude, Ile St. Louis , zusammen mit Edmond Jaloux ,dem Romancier und Kritiker, der zur französischen Ausgabe des „Tonio Kröger“ ein so schönes Vorwortgeschrieben und über den „Tod in Venedig“ die er-staunlichsten Dinge gesagt hat. Wir trafen schon an derTür des alten Hauses mit ihm zusammen, das aus derZeit Heinrichs IV. stammt. Er könnte Deutscher seinmit seiner Rundbrille und seinem eher blonden als dunk-len Schnurrbärtchen, ist aber Südfranzose. Schlicht,ernst, nachdenklich, fast gestenlos, mehr gemütvoll alssprühend, erschien er mir bei wiederholten Begeg-nungen als Typus des französischen Intellektuellen,den als Windbeutel vorzustellen niemand gut tut.Auch als Liebling der Nation, hochbegütert und bür-gerlich repräsentativ, sollte man sich den französischen Schriftsteller nicht denken. Die fünfhundert Auflagenund die Yacht im Mittelmeer sind Ausnahme und