6o
DENN:
während bei jenen diejenige der Zukunft auf männlich-allzumännliche Art vorwalte. Da man aber, seit derSchilderhebung Bachofens, vom Mythus nichts ver-steht, da man von nichts etwas versteht, wenn manim Gynaikokratisch-Mutterrechtlichen nicht zu Hauseist, so ist die Romantik von Jena, eben als deutsche Romantik, erledigt und abgetan, und mit ihr ist esNietzsche, um dessen „Mythus “ es in der Tat ge-schehen ist in dem Augenblick, wo unser Autor sichanschickt, „Nietzsche an Bachofen zu messen“. Dasdarf man eine vermessene und maßvergessene Messungnennen, unbeschadet jeder Bewunderung für einenGelehrtengeist von unbezweifelter Intuition, dem manjedoch Unrecht täte, wollte man seine Gestalt an dereines Helden und Überwinders, eines Richters undPropheten messen, dessen eigenes hinreißendes Künst-lerleben ein Seelen- und zukunftsprägender Mythus war.
In Ansehung einer religiös vertieften Auffassungder Antike steht Nietzsche zwar, nach Baeumler, ineiner Reihe mit Zoega, Creuzer, Grimm, K. O. Müller und Bachofen gegen den „zurückbleibenden Klassizis-mus“, gegen die Optimisten, Rationalisten und Ästhe-tiker Winkelmann, Voß, Bachmann, Mommsen, Wila-mowitz. Er kennt jedoch, wie sein Freund Rohde,„das heilige Dunkel der Vorzeit nicht“; sein Begriffdes Mythus , des „tragischen Mythus“, ist sokratisch,ist ein heillos brüchiges Gemenge aus logischen undmystischen Elementen und seine Erkenntnismethode —psychologisch; womit sie denn freilich das Letzte ist,was eine honette Erkenntnismethode nach neuerer Mode-vorschrift sein darf, denn: „Psychologie und Mythus schließen sich ebenso aus wie Sokratismus und Musik.“