EINE ART VON RUHETAG, - VERGLEICHSWEISE 65
Dämmerung des konservativen Frankreich zusammen —mit dem Übergange klassischer „Psychologie“ in öst-liche „Psychoanalyse“ ?
Sonnabend, den 23. — Eine Art von Ruhetag —vergleichsweise, vergleichsweise. Mr. Abbe, amerika-nischer Kunstphotograph, der uns zu bestimmen wußte,seine sehr opulente Werkstatt in der Rue du Val deGrace zu besuchen, und sich auch bei der Arbeit als ge-schickt und zartfühlend erwies. Mein Widerwille gegendie unvermeidliche und trotz aller Umgehungsversucheimmer wiederkehrende Prozedur der „Aufnahme“ istunbeschreiblich und wohl etwas krankhaft. Das Ob-jektiv erregt mir mystischen Schrecken. Tatsächlichsitze ich lieber stundenlang einem Zeichner oder Maler,als daß ich die zwei Sekunden des „Exponiert“ seinsertrage, die meine Nerven sich zusammenkrampfenlassen, indem sie mir die abscheuliche Anstrengung auf-erlegen, meine Züge und Glieder vor dem blind-sehen-den, dem ich-losen und exakten Apparate ruhig zuhalten. Selbstverständlich ist gerade diese Anstrengungdas Unvernünftige und Fehlerhafte. Und da es übrigensnatürlich „noch schöner“ wäre, wenn es nicht gehenwollte, so hat denn Mr. Abbe ein recht freundlichesBildnis zustande gebracht.
In Notre Dame nachher. Das zweite große gotischeRuhmeswerk dieser Reise: Ein Besuch im Kölner Dom ,in Gesellschaft Ernst Bertrams, war vorangegangen. DasWetter trüb, die Farben der Fenster und der großenRose ohne Leuchtkraft. Dennoch tief berührt von derverdämmernd großartigen Geistigkeit des Raumes. Esmag durch Kindheitsüberlieferung zu erklären sein, daß