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ACH JA, DER MENSCH!
unbekannt. Der Grundgedanke meiner „Betrachtungen“,daß Demokratie und Politik ein und dasselbe sind,bleibt mir wahr und unanfechtbar. Leugnet man ihn,so kann man ein hochinteressantes Volk sein, aber manbringt es zu nichts. —
Die Familienkraftkutsche brachte uns, zusammen mitder Prinzessin und der Romanciere, wieder nach Hause.
Dienstag, den 26. — Anstandsbesuch im Louvre.Die Umstände sind jeder ernstlichen Vertiefung ent-gegen. Ein Hindurchschlendern, Umheräugen, einBlick auf die Nike, die Venus von Milo , die Leonardos,die Spanier, eine Erneuerung der allgemeinen Idee, washier an prangendem Ausdruck seelisch-sinnlicherKräfte vereinigt ist, das war alles. Ach ja, der Mensch!Er hat gesündigt, sich wie ein Vieh benommen, sichgegenseitig gemetzelt all die Jahrhunderte her — undunterdessen beständig dergleichen hervorgebracht. Wo-bei es ein Irrtum wäre, zu unterscheiden zwischenseinem „göttlichen Teil“, dem diese Dinge zu dankenwären, und seinem tierischen, auf dessen Rechnung dasandere käme. Nein, beides entspringt aus seinem Gan-zen, die Viecherei und die Herrlichkeit; das Gemetzelhat grauenhaft viel mit dieser zu schaffen, viel mehr, alsein Pazifist sich auch nur träumen zu lassen einwilligenwürde; und ich beneide diejenigen, die sich durch dieBerührung mit großer Kunst in ihrer Forderung an dieHeiligkeit, Reinheit, Friedlichkeit des Menschen ge-rechtfertigt und bestärkt fühlen. Ich habe das nie ge-konnt. Heiligkeit und Friedlichkeit machen keine Bil-der. Der „Geist“ tut das auch nicht, sondern die Seele,welche nämlich Sinnlichkeit und Sünde ist. Ich habe