9 8
MAN VERZEIHE DAS HARTE WORT
von der Weltrevolution früher und unmittelbarer er-griffenen Ländern, wo er kaum noch Lebensmöglich-keit besitzt und wo man längst ganz andere Sorgen hatals das „Künstlerische“. Flaubert konnte es als denGegenbegriff des Bürgerlichen empfinden; heute ist esein bürgerlicher, ein konservativer Begriff. FlaubertsKunstidealismus ist nicht denkbar ohne die „Rente“,die niemand mehr hat. In Frankreich aber scheint dieartistische Idee der Rentenlosigkeit standzuhalten.Selbst zur Zeit der „Betrachtungen“ hat man michdort damit verteidigt, daß ich „gleichwohl sehr künst-lerisch“ sei: eine völlig ungültige Entschuldigung beiuns, wo die Qualitätswürdigung eines als feindlich Emp-fundenen heute unmöglich und jedes Urteil partei-mäßig bestimmt und gefärbt ist. Die europäisch ge-richtete „Nouvelle Revue Fran^aise“, die von demalten G. Clemenceau politisch gewiß nicht viel wissenwill, hat sein Demosthenes -Buch mit vollkommenemFreisinn gelobt und es groß genannt. Man stelle sichvor, daß unsere Rechtspresse ein Meisterwerk erhöbe,das eines ihr nicht genehmen Geistes voll wäre! Oderumgekehrt! Aber das Umgekehrte, die Niveausachlich-keit der deutschen bürgerlich-demokratischen Kritik,die auf „Bildung“ noch immer mehr als auf Politiksieht, ist wohl eher denkbar, und wir haben da abermalsund wiederum das Problem der „Freiheit“, die tiefproblematisierte Idee der Freiheit und Gerechtigkeit,die — man verzeihe das harte Wort! —, die liberale Idee,an welcher, wenn sie noch einmal, aufs neue, auf neueWeise, erstarkte, nach dem Glauben einiger wenigerdie Welt genesen könnte. —
Es war so gemütlich gewesen, und nun, ganz am Ende