114 GROSSARTIGE SITUATIONI
Donnerstag, den 28. — Einer der Subdirektorendes Hotels, eine Art von höherem Portier oder Managerin Schwarz , Schlüsselbewahrer unter anderem, ist einliterarischer Mann, der sich höchlichst für meine An-wesenheit interessiert. Er hat in den Blättern von mirgelesen, vor allem Bertaux’ großen Artikel in den Nou-velles litteraires, und verlangt beständig nach dem Textmeines Carnegie-Vortrags, den ich doch auf französischnicht beibringen kann. Eben verhandelte ich, vormit-tags, mit ihm in der Reception, als ein Herr sich mirnäherte, der sich als Sekretär des Herrn Dmitri Me-reschkowski vorstellte. Herr Mereschkowski wünschemich zu besuchen. Das war beschämend. Ich hattegewußt und doch aus Kopflosigkeit nicht bedacht,daß Mereschkowski in Paris lebe und daß es mir ob-liege, ihn aufzusuchen. Ich ließ ihn zum Tee bitten,um welche Stunde ich Dr. Ludwig Lewisohn , den Neu-yorker Publizisten, und seine Gattin bereits erwartete.
Vorerst kamen Bertaux und Monsieur Pierre-Quint,einer der Chefs des Verlagshauses Kra, bei dem der „Tod in Venedig “ erschienen. Wir fuhren in die Champs- Elysees , wo die Firma Kra uns in einem Restaurantnamens „Cabaret“ ein Austernfrühstück gab. Es galt dieBesprechung großer Dinge, der Übersetzung aller meinerArbeiten, einer Art von französischer Gesamtausgabe,die Kra, ermutigt durch die Teilnahme, die „La mort äVenise“ gefunden, im Laufe einiger Jahre zu bewerk-stelligen gedenkt. Großartige Situation! Wie kommeich dazu? Manche finden alles selbstverständlich. Tutman das aber nicht, so ist das Leben sehr aufregend.
Ein letzter Kopfsprung zwischendurch ins Geläufig-Improvisatorische, denn Bertaux, der über meinen