Band 
I. Theil.
Seite
24
JPEG-Download
 

24

I. BUCH.

schichtlichen Beweisen darzuthun oder wegzuläugnenistBeydes selir schwer, eigentlich in jetziger Zeit unmög-lich. Man kennt bis jetzt einen grofsen Theil der Erd-oberfläche um beyde Pole noch gar nicht; selbst grofseStrecken in anderen Gegenden des Weltmeeres nochnicht; und doch müfste man das Ganze schon wenig-stens seit mehreren Jahrhunderten kennen, und das Ver-hältnifs desselben zum Lande in verschiedenen Zeitenbeobachtet, ja berechnet haben, yvenn man sich einUrtheil über allgemeine Veränderung dieses Verhältnis-ses erlauben wollte. Oertliche Erscheinungen davondeuten nur auf örtliche Ursachen und auf beziehungs-weise statt findende Veränderungen in demselben, undSchlüsse von solchen auf das Allgemeine arten leicht inTräumereyen aus.

Nichts desto weniger hat die Frage: ob das Ver-hältnifs zwischen Land und Meer wirklich allgemeineVeränderung erlitten habe? die Frage, ob eine allge-meine Abnahme oder eine allgemeine Zunahme desMeeres statt finde? die Naturforscher ernstlich beschäf-tigt, und sie haben sich abgemühet, sowohl natürlicheGründe, als geschichtliche Beweise, von örtlichen Er-scheinungen hergenommen, für die eine wie für dieandere Behauptung zusammen zu stellen.

Bey den Alten finden wir schon Spuren davon,dafs sie sich mit dieser Frage beschäftigt haben, dennAristoteles (1) streitet gegen den Satz, dafs dasMeer abnehme, und hält dafür, dafs es auf einerSeite von dem Lande wieder gewinne, was es aufder andern an dasselbe verliere. Genauere Untersu-chungen über diesen Satz finden wir aber bey den Al-ten nicht, sondern sie gedenken nur örtlicher Verän-

r) Me te o r o l og. L. i. c. 14.