MEERES VERGRÖSSERUNG.
27
Die Zerstörung der Ufer wird durch die Atmos-phäre und ihre Niederschläge, durch die Landgewässerund durch die Gewalt der anschlagenden Meereswo-gen an vielen Orten immerfort bewirkt; theils allmäh-lig, man könnte sagen regelmäßig, theils so, dafs anden stets von' den Wogen benagten Stellen manchmalplötzlich bedeutende Einstürze erfolgen. Eine an-schauliche Schilderung davon , wie diefs unter Andernbewirkt werden kann, wenn die Beschaffenheit desBodens dazu geeignet ist, hat Pallas ( 1 ) gegeben. Erhat gezeigt, wie in den Gebirgen der Krym mit denfesteren Kalkfelsen Lager von Schieferthon abwechseln,welche die Feuchtigkeit anziehen, leicht in kleine Stückeund Schuppen zerspringen, daher sehr zerstörbar sind,von Quellen undBächen, auch dem Meereswasser selbstausgewaschen werden, und, so ausgehölt, das Einstür-zen der auf ihnen ruhenden Kalkfelsen veranlassen; da»her dort die felsigen Meeresufer öfteren Veränderun-gen unterworfen sind. Oft, ja meistentheils stehfmitdiesen Erscheinungen zugleich die entgegengesetzte inganz naher Verbindung; da nehmlich das Meer die ab*gerissenen Trümmer in der Nähe der zerstörten Stel-le wieder ansetzt, wodurch sich eine Vergröfserungde3 Landes bildet. Immer wird dadurch der Bodendes Meeres erhöht. Erdbeben, vulcanische Wirkun-gen, Einsinken des Landes bringen ebenfalls Zerstörungder Küsten hervor, die nach Beschaffenheit des Bodensin einer Gegend mehr, in der andern minder bedeu-tend sind.
Von solchen Ereignissen ist die Vorzeit Zeuge ge-wesen, die jetzige Zeit ist Zeuge davon und die künf-
l) Reise in d. siidl. Statthalterschaften des Russ.Reichs Thl. 2. S. 115. 140, 142, 144. 199.