Buch 
Geschichte des Tabaks und anderer ähnlicher Genussmittel / von Friedrich Tiedemann
Entstehung
Seite
305
JPEG-Download
 

SOS

artige Materie, und so ward sie von den Chemikern unterdem Namen des Tabak-Camphers aufgeführt.

Posselt und Reimannl) fanden in dem milchigenDestillat von frischen und getrockneten Blättern verschiedenerTabakarten gleichfalls die weißliche, krystallinische, fettigeMaterie, welche Hermbstädt als Nicotianin aufgeführt hatte.Sie hielten dieselbe jedoch für ein festes flüchtiges Del, einStearopten, welches zwar wie Tabaksrauch roch, aber durch-aus nicht scharf war, in offenen Gefäßen allmälig verdun-stete, im Wasser unlöslich, im Alkohol und Aether löslichwar, und von Säuren nicht, wohl aber von kaustischem Kaliaufgelöst wurde. Bei Thieren, in einer Gabe von zwei Grangereicht, brachte es keine narkotische Wirkungen hervor. Dasie Bleießig dem destillirten Wasser zusetzten, woraus dasStearopten erhalten war, bildete sich ein Niederschlag, deraus kohlensaurem Blei bestand. Die absiltrirte Lösung zeigtenun einen eigenen scharfen Geschmack. Bei der Untersuchungdieser Flüßigkeil aus Ammoniak fand man, daß dieselbe außeretwas Ammoniak, noch eine flüchtige, scharf riechende undschmeckende Salzbasis enthielt, welche sich an der Stelle desBleioxyds mit der Essigsäure verbunden hatte. Sie nanntendieselbe Nikotin.

Zur Gewinnung dieser Salzbasis wendeten Posselt undReimann folgendes Verfahren an: zwölf Pfund trockneTabakblätter wurden mit Waßer ausgekocht, welches etwasSchwefelsäure enthielt. Die Lösung wurde bei gelinder Wärmeabgedampft und der Rückstand mit Alkohol von 90 Procent

') Chemische Untersuchung des Tabaks und Darstellung des eigenthüm-lichen wirksamen Princips dieser Pflanze, eine von der Medizini-schen Fakultät in Heidelberg im Jahr >828 gekrönte Preisschrift;in GeigxrL Magazin für Pharmacie. B. 2t, S. >38. B, 3S. S. 6S7.

20