Buch 
Geschichte des Tabaks und anderer ähnlicher Genussmittel / von Friedrich Tiedemann
Entstehung
Seite
370
JPEG-Download
 

37 «

Speichel verschluckt, so stört er das Berdauungs - Geschäftdadurch, daß er die Thätigkeit der Nerven des Magensherabstimmt. Unmäßiges Rauchen vermindert die Eßlustund schwächt die Energie des Berdauungs-Geschäfts. StarkeRaucher fühlen seltener das Bedürfniß Nahrungsmittel zusich zu nehmen, und sie sind keine großen Esser und Fein-schmecker. Dagegen erregt das Labakrauchen öfteren Durst,theils in Folge der heftigen Reizung der Nerven der Zungeund der Schleimhaut des Mundes, durch den stechendenDampf, theils in Folge der vermehrten Absonderung desSpeichels und Schleims, die meistens ausgespuckt werden,und daher führt es häufig zur Trunksucht. Und so ist es no-torisch, daß sich mit dem Umsichgreifen des Tabakrauchens inneuerer Zeit auch die Zahl der Bierbrauereien und Bierhäu-ser ungemein vermehrt hat.

Führen wir ferner noch die Krankheiten an, welche durchdie Unmäßigkeit im Tabakrauchen verursacht werden. Amhäufigsten erregt der scharfe Rauch acute oder chronische Ent-zündung der Schleimhaut des Mundes, des Nachens, deSKehlkopfs und der Luftröhre. Starke Raucher werden daherin den Wintermonaten bei schnellem Temperatur - Wechselund bei kalter feuchter Luft leicht von Entzündung und An-schwellung des Gaumensegels und der Mandeln befallen. Esist mir ein Fall bekannt, in dem ein Mann, der leidenschaft-lich rauchte, öfters an einer Entzündung der Hinteren Wanddes Schlundkopfs litt, die chronisch wurde, und in Eiterungüberging. Zugleich bildete sich ein großer Absceß zwischendem Schlundkopf und den Muskeln des Halses, wodurch dieHalswirbel cariös wurden. Unter großen Leiden starb derKranke an Zehrfieber. Ein mir befreundeter Arzt, der un-mäßig Cigarren rauchte, wurde öfters von Husten und chro-