438
Daher gestatten die Eingebornen Reisenden nicht, in derenNähe zu schlafen. Haben die Blätter nach Verfluß mehrererMonate ihren Duft verloren, so ist die Coca unbrauchbar.Außerdem scheint die Coca ein aromatisches, bitteres undadstringirendes Princip zu enthalten. Im Munde verursachendie Blätter einen schwach aromatischen, bitterlich süßen, etwaszusammenziehenden Geschmack, und der Speichel nimmt einegrünliche Farbe an. Der verschluckte Saft erzeugt im Magenein angenehmes Gefühl von Wärme, und befördert die Ver-dauung, wie schon der Jesuit Bey er bemerkt hat. Die Cocahat unleugbar eine erregende Wirkung auf das Nervensystem;sie stimmt zur Fröhlichkeit und Thatkraft, macht alle Sorgenund Mühen vergessen, verscheucht den Schlaf und vermindertdas Gefühl des Hungers. Sie ist zugleich nährend undstärkend, und erhöht die Lebensactionen. Wird sie aber inzu großer Menge genommen, so verursacht sie gleich demOpium eine Art Rausch, dem Abspannung folgt.
Der übermäßige Genuß der Coca ist der Gesundheitsehr nachtheilig, weniger in den kalten und trocknen Gegendender Anden, als in dem warmen, feuchten und erschlaffendenClima der heißen Wälder. Leidenschaftliche Coqueros verfallengleich Säufern in einen Zustand von großer Apathie undSchwäche und werden für alle ernste Beschäftigungen ganzunbrauchbar. Sie fliehen den Umgang und suchen die Ein-samkeit, um sich ungestört dem gewohnten Genusse des Coca-Kauens zu überlassen. Es stellt sich allmälig eine großeSchwäche der Verdauungs-Werkzeuge ein, Mangel der Eß-lust, Unverdaulichkeit, Magendrücken, gestörte Gallenabson-derung und Verstopfung. Dann folgen heftige Kopfschmerzen,Schlaflosigkeit, Gelbsucht, Abmagerung, und endlich öde-