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Bestreben, sie Naturerklärungen aus reiner Bernunft-Erkennt-niß, vorherrschten. Je mehr aber während einer glänzendenErweiterung aller Naturwissenschaften das Material des siche-ren empirischen Wissens anwuchs, desto mehr erkaltete allmäligder Trieb, das Wesen der Erscheinungen und ihre Einheit,alö ein NaturganzeS, durch Construclion der Begriffe auS derBernunft-Erkenntniß abzuleiten. In der uns nahen Zeithat der mathematische Theil der Naturphilosophie sich einergroßen und herrlichen Ausbildung zu erfreuen gehabt. DieMethoden und daS Instrument (die Analyse) sind gleich-zeitig vervollkommnet worden. WaS so aus vielfachenWegen durch sinnige Anwendung atomistischer Prämissen,durch allgemeineren und unmittelbareren Contact mit derNatur, durch das Hervorrufen und Ausbilden neuer Or-gane errungen worden ist, soll, wie im Alterthume, so auchjetzt, ein gemeinsames Gut der Menschheit, der sreiestenBearbeitung der Philosophie in ihren wechselnden Gestal-tungen nicht entzogen werden. Bisweilen ist freilich dieUnversehrtheit des Stoffes in dieser Bearbeitung einigeGefahr gelaufen; und in dem steten Wechsel ideeller An-sichten ist es wenig zu verwundern, wenn, wie so schönim Bruno'" gesagt wird, „viele die Philosophie nur me-„teorischer Erscheinungen fähig halten und daher auch die„größere» Formen, in denen sie sich geoffenbart hat, das„Schicksal der Comcten bei dem Volke theilen, das sie nicht„zu den bleibenden und ewigen Werken der Natur, sondern„zu den vergänglichen Erscheinungen feuriger Dünste zählt."
Mißbrauch oder irrige Richtungen der Geistesarbeitmüssen aber nicht zu der, die Intelligenz entehrenden An-sicku führen, als sei die Gedankenwelt, ihrer Natur nach,