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wenn Die Andeskette, statt meridianartig, von Osten nachWesten aufgestiegen wäre; wenn südlich von Europa keinfestes wärmestrahlendes Tropenland (Afrika ) läge; wenndas Mittelmeer , das einst mit dem caspischen und rothenMeere zusammenhing und ein so wesentliches Beförderungs-mittel der Völkergesittung geworden ist, nicht eristirte;wenn sein Boden zu gleicher Höhe mit der lombardischenund cprenaischcn Ebene gehoben worden wäre!
Die Veränderungen deS gegenseitigen Höhen-Verhält-nisses der flüssigen und starren Theile der Erdoberfläche«Veränderungen, welche zugleich die Umrisse der Continentebestimmen, mehr niedriges Land trocken legen oder dasselbeüberfluthen) sind mannigfaltigen ungleichzeitig wirkendenUrsachen zuzuschreiben. Die mächtigsten sind ohnstreitig ge-wesen: die Kraft der elastischen Dämpfe, welche das Innereder Erde einschließt; die plötzliche Temperatur-Ver-änderung u mächtiger Gcbirgsschichten; der ungleiche secu-läre Wärmeverlust der Erdrinde und des Erdkernes, welchereine Faltung (Runzelung) der starren Oberfläche bewirkt;örtliche Modificationen der Anziehungskraft 19 und durch die-selben hervorgebrachte veränderte Krümmung einer Portiondes flüssigen Elements. Daß die H e b u n g derContinenteeine wirkliche Hebung, nickt bloß eine scheinbare, derGestalt der Oberfläche deS Meeres zugehörige sei, scheint, nacheiner jetzt allgemein verbreiteten Ansicht der Geognosten, ausder langen Beobachtung zusammenhangender Thatsachen, wieaus der Analogie wichtiger vulkanischer Erscheinungen zufolgen. Auch das Verdienst dieser Ansicht gehört Leopold von Buch , der sie in seiner denkwürdigen, in den Jahren 1806und 1807 vollbrachten Reise durch Norwegen und