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Seegeschöpse eine nährende Flüssigkeit wird. Wenn schon derReichthum an belebten Formen, die Unzahl der verschieden-artigsten microscopischen und doch theilweise sehr ausgebil-deten Organismen die Phantasie anmuthig beschäftigt, sowird diese noch auf eine ernstere, ich möchte sagen feier-lichere Weise angeregt durch den Anblick des Grenzenlosenund Unermeßlichen, welchen jede Seefahrt darbietet. Wer,zu geistiger Selbstthätigkeit erweckt, sich gern eine eigeneWelt im Innern bauet, den erfüllt der Schauplatz desfreien, offenen MeercS mit dem erhabenen Bilde des Un-endlichen. Sein Auge fesselt vorzugsweise der ferneHorizont, wo unbestimmt wie im Duste Wasser und Lustan einander grenzen, in den die Gestirne hinabsteigenund sich erneuern vor dem Schiffenden. Zu dem ewigenSpiel dieses Wechsels mischt sich, wie überall bei dermenschlichen Freude, ein Hauch wehmüthiger Sehnsucht.
Eigenthümliche Vorliebe für das Meer, dankbare Er-innerung an die Eindrücke, die mir das bewegliche Element,zwischen den Wendekreisen, in friedlicher, nächtlicher Ruheoder aufgeregt im Kampf der Naturkräfte gelassen, habenallein mich bestimmen können den individuellen Genußdes Anblicks vor dem wohlthätigen Einflüsse zu nennen,welchen unbestreitbar der Contact mit dem Weltmeer aufdie Ausbildung der Intelligenz und des Charakters vielerBölkerstämme, auf die Vervielfältigung der Bande, die dasganze Menschengeschlecht umschlingen sollen, aus die Mög-lichkeit zur Kenntniß der Gestaltung des Erdraums zu ge-langen, endlich auf die Vervollkommnung der Astronomieund aller mathematischen und physikalischen Wissenschaftenausgeübt hat. Ein Theil dieses Einflusses war anfangs