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Ohngefähr ein halbes Jahrtausend früher, um das Jahr 1000, betrat schon Leif, der Sohn Erik’s, des Rothen, dasFestland des Staates Masachusetts, welches zu der Rüstenstrecke Winland (so nannten die Amerikanischen Scandina-vier nie Neufundland, sondern die Rüste zwischen Boston und New-York ) gehörte. Nach den ältesten Sagen unddem Isländischen Landnamabuche sind selbst die südlichen Rüsten zwischen Virginien und Florida unter dem Namendes Weissmännerlandes oder Gross-Island beschrieben worden. Zwischen Grönland und Neu-Schottland (Mary-land) gab es noch Verbindungen bis 1347, zwischen Grönland und Bergen in Norwegen bis 1484, also bis siebenJahre nach dem Zeitpunkte, wo Columbus Island besucht hatte. (Rosmos, Bd. II. $. 269 — 277 und S. 457 — 461.)
Der Rarte von Juan de la Cosa bleibt ihr Vorrang"), und wenn in Italien , wie sehr zu wünschen wäre,eine Rarte von den frühesten Entdeckungen aufgefunden würde, die Bartholome Colon gezeichnet und die später nochin den Händen des Venezianischen Cosmographen Alessandro Zorzi, Herausgeber und Sammler (raccogglitore) desMondo novo (der Raccolta Vicentina von 1507) sich befand. Diese bis jetzt für uns verlorene Seekarte war von1505, also doch fünf Jahre neuer als Cosa (Exam. crit. T. IV. p. 80.) Eben so sind für uns verloren : die von ChristophColumbus 1498 gezeichneten Rarten der Insel Trinidad und der Rüste Paria, deren in dem berühmten Processe gegendie Erben Erwähnung geschieht (Exam. crit. T. I. 188); die Rarte der Entdeckungen von Amerigo Vespucci , dieTrithemius (der Benedictiner-Abt von Trittenheim ) klagt wegen grosser Theuerkeit nicht haben kaufen zu können(Exam. crit. T. I. p. 87 und T. IV. 141); die Seekarte, welche nach einem Briefe von Angelo Trivigiano, vom21. August 1501, Columbus für diesen seinen „grossen“ Freund in Palos durch Domenico Malpiero zeichnen Hessund die alle bis dahin im Westen neu entdeckten Länder darstellte (Exam. crit. T. IV. p. 71). Das Wappen selbst,welches nach der ersten Entdeckungsreise dem Christoph Columbus von Ferdinand und Isabclla den 20. Mai 1493als Admiral gegeben wurde (para sublimar su persona), enthielt auch eine kleine Seekarte. Man sieht darineine Gruppe von Inseln in einem Golf, der, wie Oviedo sagt, von einer tierra firme de las Indias gebildet wird.Die Insel Cuba selbst wurde nämlich gleich Anfangs für ein Festland (tierra firme) angesehen, und auf der zweiten'Reise liess Columbus den 12. Juni 1497 diesen Glauben in einem eigenen Documente von 80 Mitreisenden als eineunumstössliche Wahrheit beschwören*) **). Juan de la Cosa (maestro de hacer Cartas) war einer dieser Zeugen.(Exam. crit. T. IV. p. 239.)
Diese Notiz über die bisher entdeckten ältesten gezeichneten Rarten der Neuen Welt ***) ist noch mit der Be-trachtung zu beendigen, dass man, bis zu meiner Veröffentlichung (1832) der W 7 eltkarte von Juan de la Cosa aus derBibliothek des Baron Walkenaer zu Paris , für die ältesten gezeichneten Rarten zwei in der Militär-Bibliothekzu Weimar aufbewahrte von 1527 und 1529 hielt. Sie sind 21 bis 23 Jahre neuer als des Columbus Todesjahr undwesentlich von einander verschieden, obgleich Sprengel in der Deutschen Uebersetzung der „Geschichte der NeuenWelt von Munoz“ (Th. I. p. 429) sie irrthümlich für identisch hielt. Beide bezeugen den Reichthum des Materials,der dabei angewandt worden ist, da die Configuration von Nord- und Südamerika und beider Zusammenhang durchdie Landenge von Panama im Allgemeinen unseren jetzigen Rarten sehr ähnlich sind. Die Weltkarte von 1527stammt aus der Ebner’schen Bibliothek zu Nürnberg her. Ebner hatte geglaubt, sie sei erst in der Bibliotheca Colom-biana zu Sevilla gewesen, deren Stifter des Christoph Colon gelehrter Sohn, Don Fernando Colon , war. Ich habeGelegenheit gehabt, diese Rarte von 1527 mehrfach in W 7 eimar genau zu untersuchen. Sie ist genannt in Murr ,Memorabilia Bibi. Norimb. T. II. p. 97. und genau beschrieben von Baron von Lindenau in Zach’s Monatl. Cor-respondenz, October 1810. Der vollständige Titel heisst: Carta universal en que se contiene todo lo que delMundo se a descubierto hasta aora, hizola un Cosmographo de Su Magestad MDXXVII. In der anderenWeltkarte ist der Cosmograph, der sie verfasst hat, deutlich genannnt; es ist Diego Ribero, Cosmographo de S.M. und (seit 1523), maestre de hacer Cartas, Astrolabios y otros instrumentos, ein Mann, der nie in Amerika war, aber wohl mit Don Fernando Colon, dem zweiten Sohne des grossen Admirals, mit Sebastian Cabot und JohannVespucci, Neffen des Amerigo, dem berühmten, geographisch - astronomischen Congress an der Puente de Caya(zwischen Bajadoz und Yelves) beiwohnte, ein Congress, in welchem die Längengrade festgesetzt wurden, welchedie Territorial-Grenzen zwischen den Rronen von Spanien und Portugal in den neu entdeckten Ländern werdensollten. (Exam. crit. T. II. p. 180— 186.) In der anonymen Rarte von 1527 sind die Rüsten der Südsee bloss imGolf von Panama angedeutet, man sieht nichts vom Littoral des Choco oder dem von Quito : in der Rarte von Ribero(1529) erkennt man dagegen die Südseeküsten von Panama an bis zu 10° südlicher Breite.
*) Ueber die auf blosse Verniuthungen gegründete Karte, deren sich Columbus zu seiner Entdeckung bediente und die wohl mit Unrechtdem Toscanelli zugeschrieben wird, s. Ex. crit. T. I. p. 239 — 254. Las Casas hat sie besessen, Hist , general Mss. Lib. I. cap. 12.
**) In der Historia general de las Indias von Bartolome de las Casas, die ich genau studirt, wird ausdrücklich gesagt: Colon murid antesque supi de que Cuba fuese isla. Lib. II. cap. 3S.
Mehrere Jahre nachdem ich die Weltkarte von Juan de la Cosa von 1500 entdeckt und beschrieben habe, ist sie von meinem FreundeDon Ramon de la Sagra ganz publicirt worden.