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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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Wenn acht Jahre nach der Entdeckung von Amerika durch Christoph Columbus die von Juan de la Cosa gezeichnete W 7 eltkarte schon ein allgemeines Bild der Antillen, eines grossen Theils von Südamerika und der nördlichenEntdeckungen der Cabote darlegte, so gehörte dieselbe Zahl von Jahren wieder dazu, um in der mit modernen KartenEuropäischer Länder bereits längst bereicherten Geographie des Ptolomäus endlich einmal Theile des Neuen Continentsauf Kupferplatten abgebildet zu sehen. Nichts davon, wie wir bereits oben bemerkt, war vorhanden in der RömischenAusgabe von 1507, edirt von Bernardinus de Vitalibus und dem Brescianer Evangelista. Theile des Neuen Continents,nämlich das noch nicht ganz umschiffte und anonyme Cuba, Haiti , die kleinen Antillen und ein beträchtliches Stückvon Süd-Amerika (hier Terra Sanctae Crucis sive Mundus Novus genannt), bis 40° südlicher Breite, findensich zuerst in einer Weltkarte von Johannes Ruysch (Germanus), die in der Römischen Ausgabe des Ptolemäusvon 1508 erscheint. Der Text derselben ist von dem der Ausgabe von 1507 gar nicht verschieden, er ist wieein blosser Nachdruck, und dazu noch ein päpstliches Privilegium vom 28. Julius 1506 beigefügt. (Ueber diesewichtige Karte von 1508 s. Walkenaer, in den Reeherches geographiques sur I’Interieur de l’Afrique septen-trionale p. 186, wie auch in der Biographie universelle, T. VI. p. 207.) Der Titel der Karte ist: Universaliorcogniti Orbis Tabula ex recentibus confecta observationibus. Von Nordamerika ist Nichts zu sehen, weil Neufundland unter dem Namen Terra Nova und Bacalauras :: ) mit Grönland (Gruentland) zu dem nordöstlichen Theile von Asien gerechnet sind, zu dem Theile, in dem man „Desertum Lob und Judaei inclusi“ unter dem Polarkreise; Gog undMagog, Karocoam (die Mongolen-Hauptstadt Karacorum) und Tibet findet. In den Asiatischen Bergi extremis wirdangegeben, „dass der Seecompass nicht mehr weist,“ eine Vermuthung über die Lage des Magnetpols. Eine andereAnmerkung sagt, dass die Insel Haiti (Spagnola) das goldreiche Zipangu (Sipangus) des Marco Polo sei und dassdieser Identität wegen man Zipangu weggelassen. Der abgebildete Theil von Südamerika , Terra Sanctae Crucis,ist gegen Westen unbegrenzt geblieben. Dort ist keine Südscekiiste angegeben. Die östliche Küste hat vielePositionen mit Namen, deren südlichste (lat. 32° und 33° austr.) Rio de St. Vincent und Rio de Cananor sind.Wir werden weiter unten zeigen, welches Interesse sich an diese Namen, wegen des von Herrn Professor Ghülanybeschriebenen Schöner’schen Globus von 1520, knüpft. Was man von Südamerika in der Karte von Johann Ruysch (1508) sieht, von der ich ein Amerikanisches und Ostasiatisches Fragment im fünften Theile meines Examen critiquede la Geographie du Nouveau Continent habe stechen lassen, endet keineswegs pyramidaliseh in einem spitzen Winkel.Die von Rio de Cananor an unbenamt bis 40° südlicher Breite fortlaufende Küste ist von Norden gegen Süden ge-richtet. Sehr merkwürdig ist es, dass in dieser Ausgabe des Ptolemäus von 1508 (gedruckt von Evangelista Tosino undbearbeitet oder vielmehr commentirf von Marcus aus Benevent und Johann Cotta) zweimal deutlichst gesagt ist: diePortugiesen seien in ihrer Schifffahrt bis 50° südlicher Breite gekommen und hätten noch kein Ende des Landesgefunden. „Nautae Lusitani partem hanc terrae (Sanctae Crucis) observarunt et usque ad elevationem poli antarctici50 graduum pervenerunt, nondum tarnen ad ejus finent austrinum. Terra Sanctae Crucis (setzt dieser Bemerkungvon Ruysch , die auf der Karte selbst gestochen ist, Marcus Beneventanus im 14. Capitcl seiner Nova Orbis descriptio' :!!; )hinzu) decrescit (also Verschmälerung!) usque ad latitudinem 37° austr., quamque Archiploi usque ad lat. 50° austr.navigaverint, ut ferunt; quam reliquam portionem descriptam non reperi. Dies führt bis 2° 'A nördlichvon der Magellanischen Meerenge und beweist, dass Ruysch sich entweder auf Vespucci’s Behauptung, er sei in derdritten Reise (1501 und 1502) vom Cap San Augustin an auf offener See bis 50° oder 52° südlicher Breite gelangt(Ex. crit. T. IV. p. 121. und T. V. p. 20.), gründet, oder dass zwischen 1500 und 1508 heimliche Expeditionenvon den Portugiesen unternommen wurden, deren bestimmte Epochen und Anführer uns unbekannt geblieben sind(Examen crit. T. V. p. 5 — 9.).

Wir kennen genau nur die Chronologie der Spanischen Entdeckungen an der Ostküste von Südamerika .Nachdem Christoph Columbus den I. August 1498 die Nordostküste der Provinz Cumana, nicht den bergigen Theilvon Paria, sondern bei Punta Redonda, nahe dem Cano Macareo*) **) ***) als das erste Festland von Amerika seit den Scandinaviern entdeckt hatte, gelangten Alonzo de Hojeda (mit Juan de la Cosa und AmerigoVespucci) 1499 bis 3° nördlicher Breite; Vicente Yanez Pinzon im Jahr 1500 bis zum Vorgebirge San Augustin in8° 20' südlicher Breite und, wenige Wochen darauf, Diego de Lepe eben dahin. Dieser bemerkte, was für dieVermuthungen über die pyramidale Gestaltung von Südamerika nicht ohne Wichtigkeit gewesen ist, dass vom CapSan Augustin die Küste Nordost — Siidwest läuft. Ohne von Vicente Yanez Pinzon und von Lepe etwas wissenzu können, berührte, von König Emanuel von Portugal ausgesandt, um artf dem von Gama eröffneten Wege nachCalicut zu segeln, Pedro Alvarez Cabral, wie zufällig, am 24. April 1500 die Brasilianische Küste unter 10° südlicher

*) Stockfischland, von Bacallao, den) Spanischen Namen des Stockfisches.

**) Diese Abhandlung von Marcus Benev. ist in dem Ptol. von 1508 selbst enthalten. (Exam. crit. T. II. p. 7.)

Humboldt, Rel. hist. T. II. p. 702. Exam. crit. T. I. p. 309. Bekanntlich ist, wie schon oben bemerkt, Cabot’s Entdeckung des Fest-lands von Nordamerika an der Küste von Labrador, 24. Juni 1497, älter als die Auffindung des Festlandes von Südamerika .