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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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Die Configuration der nördlichen und östlichen Küste von Südamerika ist bei Schöner richtiger, als bei Apianus indem Solinus von Camers (1520), am ähnlichsten ist sie aber der Karte von Johann Ruysch im Ptolenucus von 1508,der ersten in Kupfer gestochenen Karte der Neuen Welt, doch ohne den Namen Amerika . Eine grosse Verschie-denheit zeigt sich indess darin, dass in Ruysch keine Spur der westlichen Küste, so wenig als etwas vom Isthmusvon Panama und dem ganzen nördlicheren Theile des Kontinents angedeutet ist, während in Schöner und Apianusdie westliche Küste von Südamerika dargestellt wird zwar ohne alle Ortsnamen, doch aber so, dass man in Schöner diewichtige Einbiegung der Küste bei Arica erkennt. In Apianus ist die Configuration beider Küsten überaus schlechtund Südamerika bis 50° südlicher Breite, besonders vom Wendekreise des Steinbocks an, viel zu schmal in eine ein-fache Spitze ausgehend. Schöner hält den Kontinent breiter, lässt ihn aber schon bei dem Rio de Cananor endigen,wo jenseits einer Meerenge, als wäre es die Magellaens-Strasse, statt des Archipel des Feuerlandes ein ungeheures,vom 43° bis 75° südlicher Breite sich erstreckendes, auch von Ost nach West weitgedehntes Südland vorliegt. Esheisst dasselbe Brasilia inferior, zum Unterschiede von „America vel Brasilia sive Papagalli Terra.“ Im Ptolemaeusvon 1508 sieht man keine pyramidale Zuspitzung. Der graduirte Rand schneidet das Land schon 8° südlich vomRio de Cananor ab und bis zu diesem Rande läuft die Küste fast ganz von Nord gegen Süd. Die Ortsbenennungenauf der östlichen Küste sind auf beiden Karten, denen von Ruysch (1508) und Schöner (1520), wesentlich gleich,nur sind sie, wohl wegen des grösseren Massstabcs, auf dem Globus zahlreicher. Die südlichste Angabe von Schö-ner ist auch die südlichste und letzte 12 Jahre später bei Ruysch. Dieser hat Rio de Cananor, Schöner Rio deCananorum. *) Im Ptolemaeus liegt diese Flussmündung lat. austr. 30°, in der von Herrn Professor Ghillany publicirtenReduction des Globus wenigstens 10—12 Breitegrade südlicher. Dann folgen in beiden Karten von Süden ge-gen Norden: Rio de St. Vincent (Porto de Set. Vincentia) ; Rio de S. Antonio; Rio Jordan; Bahia de Rees ; Riode Sta. Lucia; Monte Pasquale (Pascoal) '"■) nach dem Briefe eines Begleiters des Cabral, Yaz de Caminha, anKönig Einanuel von Portugal, der erste Landungsplatz des Cabral an der Brasilianischen Küste, südlich von PortoSeguro, nach Ruysch lat. 15°, auf der Karte in Ptolemaeus cura Joannis Schottii (1513) unter 24° Br., nach sicherenCombinationen nahe an lat. 17° U; Rio de Brasil; Rio de S. Hieronymo und Caput S. Crucis bei Ruysch unter 5°, beiSchöner unter 10° südlicher Breite. Dieses Vorgebirge, als der gegen Osten am meisten vorgestreckte Tlieil desSüdamerikanischen Kontinents, verdient schon deshalb, als charakteristischer Tlieil der Gestaltung, die grösste Auf-merksamkeit. In der Geschichte der frühesten Entdeckungen nahm diese Wichtigkeit noch durch zwei andere Ver-hältnisse zu; durch die grosse Nähe der päpstlichen Demarkationslinie, welche die gegenseitigen Rechte zweierKronen bestimmte und durch den Umstand, dass von dort aus Diego de Lepe zuerst die veränderte Richtung derKüste gegen Siid-Süd-West (eine pyramidale Gestalt des ganzen Landes verkündigend) erkannte. Man ist zuerstverwundert, an diesem Punkte in beiden Karten weder den Namen: Vorgebirge des heil. Augustinus , noch dendes heil. Rochus, sondern einen sehr unbekannten Namen, C. Stae. Crncis zu lesen. Viccnte Yanez Pinzon nahmzuerst Besitz (indem er Zweige abbrach und Seewasser trank!) von dem östlichsten Vorgebirge (20. Jan. 1500) undnannte es Cabo Santa Maria de la Consolacion; wenig später gab ihm Diego de Lope den Namen Rostrohermoso. Vespucci erwähnt in seiner dritten Reise, in dem Briefe an den König Renatus nach der Ausgabe desUacomylus, allerdings des Caps des Heil. Augustinus , aber er sagt keineswegs, wie Gomara will, dass die Benen-nung seine Erfindung sei. Nach demselben Texte aus St. Die wird von Vespucci auch das östlichste Vorgebirgemit der Bemerkung, dass es unter 7° Breite liege, Cap des Heil. Vincent genannt, f) also nach Vergleichung mitden anderen Texten ein viertes Synonymon für Cap St. Augustin.

Der Mons S. Vincenti, den ich nördlicher (lat. 3°) in der Karte von 1508 (Ruysch) finde, hängt, wie dereben genannte Name des Vorgebirges mit dem Vornamen des ersten Entdeckers, Vicente Yanez Pinzon zusammen.Auf der Karte von Juan de la Cosa (1500) ist das Vorgebirge unbenannt geblieben. Es enthält aber doch eine bestimmteBezeichnung als: Este Cabo se deseuhriö en el ano de mil y fiiiXCIX por Castilla, syendo s'u descubridor

:: ) Bei der in den älferen Karten (besonders denen des 16. und 17. Jahrhunderts) so gewöhnlichen Unart, Namen im Latinisiren zuverstümmeln, ist es allerdings ein sehr unsicheres Geschäft, Positionen durch Wort- und Klangähnlichkeiten bestimmen zu wollen: doch erlaubeich mir, auf die Bahia Cananea nach Admiral Roussin’s Küstenaufnahme lat. 25° 3' aufmerksam zu machen. Ist Canan-ea von Ruysch indas Malabarisch klingende Canan-or umgewandelt worden? Die Bahia und Punta Cananea in der Nähe der Insel Cardoso hat einige Wichtigkeitfür die früheste Entdeckungsgeschichte von Brasilien , weil dort 1767 ein Gedenkstein (pedräo) gefunden worden ist, auf dem einige die Jahrszahl1503, andere 1531 gelesen haben. (Examen crit. T. V. p. 134.) Wenn ich keine Rücksicht nehme auf die dem Schöner’schen Globus beigefügteBreiten-Graduation, sondern bloss auf die detaillirte Karte, die Herr Dr. Ghillany die Güte gehabt hat, mir zu schicken, und die relativen Abstände vonCap S. Crucis, Monte Pasqual und Rio Cananorum erwäge, so finde ich, da der Berg Pasqual (lat. 17° 1') fast in der Mitte liegt zwischen CapS. Crucis, (dem Namen nach, wie ich bald zeigen wertie, identisch mit Cap. St. Augustin lat. 8° 21') und Rio de Cananor, für den letzteren lat.17° -f- 8° 40', das ist 25° 40', sehr nahe der wirklichen Breite de Bahia de Cananea. Freilich liegt diese 10°— 12° westlicher, als Schöner für Rio deCananorum angah, aber Meridianunterschiede konnte man im 16. Jahrhunderte bei Küsten, deren Richtung man nicht dauernd verfolgte, kaum errathen.

Examen crit. T. V. p. 59. Mein Atlas tah. 37. Der Monte Pascoal ist ein abgerundeter Gipfel der Sierra de Aymores. Ein im April1500 von Cnbral gegebener Name hat sich auf allen Karten unverändert erhalten]

Examen crit. T. V. p. 19 u. 67.

f) T. V. p. 15 — 17.

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