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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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10
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Vicenti ans.*) Nahe dabei gibt Cosa einen Puerto Fermoso an, ein Name, der an den dem Diego de Lepe (von ande-ren aber dem Pinzon) zugeschriebenen Namen des Vorgebirges Rostro hermoso erinnert. Das fünfte Synonymon, umdas es sich in der Vergleichung der beiden Karten von 1508 und 1520 am meisten handelt, ist das Wort: Caput S.Crucis. Ich finde die deutlichste Erläuterung in dem Zeugenverhör, welches der Fiscus in dem Prozesse gegen dieErben des Columbus (1513 - 1515) führte. Manuel de Valdovinos aus Lepe, Begleiter des Pinzon in der Expedition,welche im Anfang 1499 aus Palos auslief, sagt: „Das Vorgebirge Rostro Hermoso, von dem man behauptet, dass esjetzt von Santa Cruz und von S. Augustin genannt wird.“ (per nombre Rostro hermoso que agora diz que sellama Santa Cruz e San Augustin)**). Da Juan de Ia Cosa schon im Oktober 1500 (in der Reise von Rodrigode Bastidas nach dem Golf von IJraba und dem Isthmus von Panama) Europa wieder verliess, so konnte seine Kartenichts von den Brasilianischen Entdeckungen von Alvarez Cabral enthalten, von deren Wichtigkeit erst im Julius 1501Runde nach Portugal kam. In dem Briefe des Königs Emanuel von Portugal an den Spanischen Monarchen (29. Juli1501) — ein umständlicher Bericht über die ganze Reise des Cabral - , heisst das neue Land noch nie Brasilien ,sondern Terra Sanctae Crucis. Eben so bedient sich Cabral’s Begleiter, Vaz de Caminha, nur derselben Benen-nung, doch wird das Wort Santa Cruz von ihm bisweilen in Terra da Vera Cruz verwandelt. Erst als die vermehrteAusfuhr des Färbeholzes den Namen Brasilienland gebräuchlicher gemacht hatte, findet man (z. B. in der Chronik vonGoes) beide Benennungen mit einander verbunden als Terra de Santa Cruz do Brasil. Die Bezeichnung desVorgebirges C. S. Crucis ist also wohl neuer, als die von C. San Augustin, und kann Beziehung auf Terra SanctaeCrucis haben, die freilich einem südlicheren Landestheile ursprünglich zugehörte. Sonderbar genug setzt Juan dela Cosa etwas westlicher die Mündung eines Flusses, in dem man ein Kreuz will gefunden haben: Rio do se hallouna Cruz! Die grosse Verschiedenheit der Breitenangaben für ein vielnamiges Vorgebirge lässt sich durch dieGestalt der wreitausgedehnten vortretenden Convexität erklären, über deren wahre Gestaltung erst die hydrographischeAufnahme von Roussin und Givry (1820) Licht verbreitet hat. Nachdem die Küste des Pra Maranham vom Ausflussdes Amazonenstromes an (ISO geographische Meilen lang) in der Richtung WNW. — OSO., ja in dem Basses deSt. Roque selbst 20 Meilen lang W. — O. gelaufen ist, wendet sie sich bei der Pta. Toiro (lat. 5° 9') und Bom Jesus 20'nördlich vom Cap S. Roque plötzlich NNW- — SSO. und bildet eine Convexität, bis sie, unter 8° Breite, von Olindade Pernambuco aus die Richtung INO. - SW. annimmt. Diese Convexität (zwischen den Parallelen***) von 5° 9'und 8° 0') beträgt also etvvas über 2° eine Grösse, die noch um 21' zu vermehren ist, wenn man den ganzenBreiten-Unterschied zwischen den Untiefen (Basses) von St. Roque (5° 9') und Cap S. Augustin (8° 21') in Anschlagbringt. Die wahre Lage des letztem Vorgebirges fällt schon ausserhalb der Convexität, also südlich von Pernambuco ,aber, der geographischen Länge nach, doch noch 20' östlicher als Cap S. Roque. Diese numerischen Bestimmungenverdienen deshalb einige Aufmerksamkeit, weil sie wegen der so verschiedenen, in den Karten von 1500, 1508, 1513,1520 und 1557 angegebenen Breiten vielnamiger Caps beweisen, dass die Seefahrer oft an ganz anderen Punktender Küste landeten und ihnen doch dieselben Benennungen ertheilten. Pinzon z. B. gibt dem Vorgebirge Rostrohermoso, das er zuerst in Besitz nahm, in seinem Reise-Journal 8° Breite; eben so die im Ptolemaeus von 1513copirte und etwas veränderte Karte von Ruysch. Hier ist also w irklich unser jetziges Cap S. Augustin (lat. 8° 21')gemeint: ja Sebastian Cabot hat in der wegen der Lage der Demarkationslinie 1515 gepflogenen Berathung bestimmtZeuguisst) davon abgelegt, „dass Vespucci für das Vorgebirge des heil. Augustinus die Breite von 8° festgestellt habe.“Viel südlicher (auf 10°) scheint das Vorgebirge Sanctae Crucis auf dem Globus von Schöner zu fallen; dagegen liegtC. S. Crucis auf der Karte von Ruysch (1508) in lat. 4° %, also dem Cap des heil. Rochus (5° 9') nahe. An derStelle des letzteren findet man den Namen C. St. Augustin in der Karte von Brasilien , die der „WahrhaftigenHistoria und Beschreibung einer Landschaft der w ilden, nacketen und grimmigen Menschenfresser in der NeuenWelt des Hans Stader von Homburg (Marpurg 1575) augebängt ist. Denselben Namen gehört also nicht dieselbeBreite zu, keineswegs wegen Fehler der Breitebestimmungen,, die damals nicht 3° betrugen, sondern weil anderePunkte gemeint sind.

Am wunderbarsten ist in beiden Karten von Schöner und Apianus (im Solinus von Camers), in Karten ausdemselben Jahre 1520, die eigenthümliche ganz gleiche schmale und ärmliche Darstellung von Nordamerika . Esführt dasselbe im südlichen Ende (in der Gegend von Nicaragua ) den Namen Parias, den man dort wohl eben sowenig erwarten würde, als auf Schoners Globus die Worte Terra de Cuba zwischen dem 40sten und 50sten Gradnördlicher Breite, in den Staaten von Neu-England, während die Insel Cuba bloss lsabeila genannt wird!

*) Juan de la Cosa irret nur um 20 Tage: er wählt die Epoche der Abreise.

**) Examen orit. T. V. p. 66.

* :;:# ) In der ganzen Convexität der östlich vorspringenden Küste ist der äusserste, also Afrika nächste Punkt von Südamerika die PunlaDos Coqueiros unter lat. 7° 24' zwischen Parahyba do Norte und Itamaraca.

7) Examen crit. T. V 7 . p. 7i.