Die Familie der Behaim leitet ihren Ursprung aus Böhmen. Dort soll sie im 10. Jahrhundert an dem FlusseSchwarz im Pilsener Kreise Besitzungen gehabt haben und wegen der Bedrückungen, welche die Christen nach demTode des Herzogs Wratislav (916) erdulden mussten, in, die Nürnberger Gegend ausgewandert sein. Das v. Behaim -sche Wappen besteht aus einem nach der Länge in eine rothe und weisse Hälfte getheilten Felde, durch welchessich ein schwarzer Bach zieht. Der Helm trägt einen weissen, zum Fluge gerichteten Phönix mit einer schwarzenKrone um den Hals. Der schwarze Bach soll von jenem Flusse Schwarz hergeholt sein; die Behaim schreiben sichauch Behaim von Schwarzbach. Das weisse und rothe Wappenfeld aber wird dahin erklärt, dass die Behaim dieBöhmische Landesfarbe roth und weiss zur Erinnerung an ihre ursprüngliche Heimath, oder die Nürnberger Farberoth und weiss zum Zeichen ihres neuen Wohnortes als W 7 appenfarbe gewählt hätten. Wir lassen diese Nachrichtendahingestellt; der Name Pehem, Beham, Behaim weist allerdings mit grosser Wahrscheinlichkeit auf eine Böhmi-sche Heimath zurück. 1 ) Wann die Familie in den Adelstand erhoben worden sei, lässt sich nicht genau ermit-
1) Wir besitzen die Nachrichten über die Familien der vormaligenNürnberger Patricier allerdings recht hübsch gedruckt zusammengestelltin »Joh. Gottfr. Biedermann's Geschlechtsregister des hochadeligenPatriciuts zu Nürnberg , Baireuth 1784,“ das »nach den bewährtestenUrkunden" bearbeitet seyn soll. Allein das Buch leidet an den Gebrechenaller derartigen Schriften des vorigen und früherer Jahrhunderte: eshat mehr den Glanz der Familien nach den damaligen Begriffen desAdels, als historische Treue im Auge. Daher geht es überall daraufaus, den Ursprung der Familien, freilich wohl zum Theil nach dereneigenen Angaben, in ein »graues Alterthum« hinauf zu leiten. Beider Familie von Tücher macht der Verfasser selbst das naive Geständniss,die Familie wünsche nicht, dass etwas über sie gesagt werde, was sichnicht geschichtlich erweisen lasse; und so beginnt der Verfasser denndort mit einem Tücher , der 1352 gestorben ist. Man wird auch amSichersten gehen, wenn man das Aufblühen der Nürnberger Patricierim 13. und 14. Jahrhundert und zwar aus dem Gewerb- und Handels-stande der Stadt sucht. Nürnberg wurde erst durch seine Gewerbeund seinen Handel von Bedeutung. Bürger, welche sich in diesenFächern hervorthaten und dadurch reich wurden, kamen an die Spitzeder Bürgerschaft. Man wird wohl nicht glauben wollen, dass da Land-adelige, die es für unedel gehalten hätten, Gewerbe zu treiben, nurso in die Beichsstädte hätten hineinkommen dürfen, um sich an die Spitzeder gewerbtreibenden Bürgerschaft zu stellen! Die reichsstädtischenGelehrten, die unter patricischem Einflüsse standen, wollten und durftenin dieser Beziehung nicht offen sprechen; sie würden nach den Begriffenihrer Zeit ihre adeligen Vorgesetzten auf das Empfindlichste beleidigthaben, wenn sie Urkunden zum Vorschein gebracht hätten, welchenachwiesen, dass die Patricier ursprünglich emporgekommene Gewerbs-und Kaufleute waren: sie mussten vielmehr darauf ausgehen, dieseauswärts ohnehin geltende Meinung zu bestreiten, und Alles verheim-
lichen, was dieselbe unterstützen konnte. Die patricischen Familienselbst besitzen noch Documente genug, welche beweisen, dass sie inalten Zeiten Handel trieben, und Dies gereichte ihnen damals vor Kaiserund Reich so wenig zur Unehre, dass sie im Gegentheil mehr galten,als die dürftigen Land- und Raubritter ; auch der Landadel schloss sichrecht gerne diesem Kaufmannsstande an und diente in seinem Solde.Die Stadt Nürnberg selbst war vor der Zerstörung durch KaiserHeinrich V. im Jahre 1105 noch ein sehr unbedeutender Ort undbestand in wenigen Häusern, die um die Burg herum lagen; sie heisstdamals noch castrum oder castellum (vergl. Lochner , Nürnberger Jahr-bücher, Nbg. 1833). In wenigen Jahren war sie schon wieder soweit hergestellt, dass sie 1126 von Lothar von Sachsen abermalsbelagert werden konnte und wiederum erobert wurde. Ueber obigesJahr 1105 zurück ist Mangel an allen Nachrichten; auch die Aechtheitder aus Mainz datirten Urkunde Kaiser Heinrich's IV. 1062, in welchergesagt wird, dass Kaiser Heinrich III. der Stadt Nürnberg Marktrechtgegeben habe, lässt sich nicht erweisen. Seit jener zweiten Belagerung1126 aber blüht die Stadt durch ihre Gewerbe und ihren Handel sehnellempor. Schon 1142 wählen die Deutschen Reichsfürsten Nürnberg zumOrte einer Zusammenkunft; 1147 hält Kaiser Konrad einen Reichstagzu Nürnberg und versammelt daselbst Völker zu seinem Kreuzzug;1163 ertheilt der Kaiser Friedrich Barbarossa der Stadt Bamber«'
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dieselbe Handelsfreiheit, wie sie Nürnberg besitze; derselbe Kaiser hält 1181 und 1187 Reichstage zu Nürnberg ; sein Sohn Heinrich Y I.hielt sich oft zu Nürnberg auf. Im Jahre 1219 gibt der KaiserFriedrich II. der Stadt eine ganze Sammlung von Freiheiten. Dieservom 8. Nov. 1219 ausgestellte Freiheitsbrief ist die älteste im Originalevorhandene Urkunde der Stadt. In dieser Zeit war es, wo einzelneBürger der Stadt durch Handel sehr reich wurden, dadurch ein bleibendesUebergewicht bei der Besetzung städtischer Aemter erhielten, die